RM Rudolf Müller

Die WKS-Azubis kommen mehrmals im Jahr ins BZB nach Krefeld. Hier lernen sie alles, was sie für den Arbeitsalltag brauchen. (Quelle: Redaktion TI)

Betrieb + Ausbildung
27. Juli 2021 | Artikel teilen Artikel teilen

Ausbildungszentren Teil 7 – Bildungszentren des Baugewerbes

Seit mehr als 40 Jahren sind die Bildungszentren des Baugewerbes (BZB) ein fester Bestandteil der deutschen Ausbildungs­landschaft im Bauwesen. Jedes Jahr werden rund 1.200 Azubis aus 14 Gewerken an einem der drei Standorte Krefeld, Wesel und Düsseldorf fit für den Beruf gemacht. Darunter ist auch ein großer Teil des WKS-Isolierer-Nachwuchses aus NRW – und sogar darüber hinaus.

Donnerstag, gegen 10:30 Uhr: In der WKS-Werkstatt im BZB am Standort Krefeld herrscht reges Treiben. Die 12 der insgesamt 14 Lehrlinge aus dem 1. Lehrjahr, die heute anwesend sind, arbeiten an einer der Maschinen, hämmern oder bördeln.
„Im Moment bauen wir Kappen. Ich habe den Jungs verschiedene Übungsaufgaben gegeben, damit sie die Techniken besser lernen“, erklärt Ausbilder Michael Herding. Was die Azubis im Laufe des Tages bauen, fließt noch nicht in ihre Benotung mit ein. Die Schonfrist ist allerdings bald vorbei. „Morgen bewerte ich die Werkstücke. Aber vorher geben die Azubis noch eine Selbstbeurteilung ab. Schließlich müssen sie später auf der Baustelle auch alleine einschätzen können, ob ihre Arbeit gut genug ist oder ob doch noch etwas ausgebessert werden muss.“

Ausbilder Michael Herding macht vor, wie es geht. Danach sind die Azubis dran. (Quelle: Redaktion TI)

Kurzer Draht zu den Betrieben

Aufgrund des Nachwuchsmangels ist auch die Anzahl der überbetrieblichen Ausbildungsstätten, in denen die angehenden Isolierer fit für den Beruf gemacht werden, zurückgegangen. Daher kommen zum Teil Azubis außerhalb des regulären Einzugsgebietes des BZB nach Krefeld. „Wir haben einen engen Kontakt zu den Betrieben. Viele entscheiden sich bewusst dafür, ihren Nachwuchs zu uns zu schicken. Zum Beispiel betreuen wir auch viele Azubis aus dem Norden, wo es keine unmittelbare Möglichkeit für eine überbetriebliche Ausbildung mehr gibt.“ Unabhängig davon, wo die Azubis herkommen, versucht das BZB, die Ausbildung möglichst nah an den Anforderungen der Betriebe zu gestalten. Dazu gehört auch, auf individuelle Defizite einzugehen und diese auszubügeln. Das Konzept scheint aufzugehen. „Nach der Ausbildung sind unsere Lehrlinge optimal auf den Beruf vorbereitet. Die besten schicke ich immer zur NRW-Meisterschaft – und häufig kommt einer von ihnen als Landesmeister zurück“, freut sich Herding.

Mittels Erklärvideos können die Azubis jeden Schritt nochmal nachvollziehen. (Quelle: Redaktion TI)

Digitale Hilfsmittel

Einige der Azubis stehen derzeit kurz vor ihrer Zwischenprüfung. Wer während der Übungen Hilfe bei seinen Werkstücken braucht, kann sich jederzeit an Michael Herding wenden – oder sich eins der Anwendungsvideos auf dem großen Bildschirm im hinteren Bereich der Werkstatt anschauen, die der Ausbilder für die Azubis aufgenommen hat. Darin sind alle Schritte einer Aufgabe nochmal detailliert erklärt. Die Videos sind aber nur eins von mehreren digitalen Hilfsmitteln, die das BZB im Rahmen der Ausbildung einsetzt. Für viele Übungsaufgaben werden QR-Codes erstellt, die die Azubis mit ihren Smartphones scannen können. Anschließend erscheint eine Abbildung, die zeigt, wie das Ergebnis im Idealfall aussehen muss. So lässt sich eigenständig prüfen, ob die Aufgabe richtig bearbeitet wurde.

Auf lange Sicht soll die Ausbildung im BZB noch digitaler werden, wie Michael Herding berichtet: „Wir haben Tablets angeschafft, die bald zum Einsatz kommen. Dadurch können wir noch mehr Abläufe digitalisieren. Unser Beruf muss sich in Sachen Digitalisierung weiterentwickeln, um effizient arbeiten zu können und attraktiv für den Nachwuchs zu sein.“

Digitales Lernen: Wer den QR-Code scannt, sieht, ob die Übungsaufgabe korrekt ausgeführt ist. (Quelle: Redaktion TI)

Dazu gehört auch, die Azubis an die Bedienung softwarebasierter Maschinen und anderer Tools heranzuführen, die der Markt bietet. Im BZB stehen daher Produktschulungen oder das Erstellen digitaler Isometrien auf dem Stundenplan. „Digitale Lösungen werden immer wichtiger, weshalb wir das notwendige Wissen von Anfang an vermitteln. Das Interesse an dem Lehrgang ist jedes Mal sehr groß. Er ist immer ausgebucht“, berichtet Michael Herding. „Als Isolierer kommt man am Thema Brandschutz kaum noch vorbei. Auf immer mehr Baustellen gehört das mittlerweile zum Auftragsumfang.“ Lehrlinge mit einem besonders guten Abschluss können sich über das BZB für die Bestenförderung der Lüttgen-Pawlik- Stiftung bewerben. „Einige, die ausgewählt werden, nutzen die Förderung für ihren Meister, andere aber auch, um sich die Weiterbildung im Bereich Brandschutz zu finanzieren.“

 

 Nachgefragt: „Warum hast du dich für die Isolierer-Ausbildung entschieden?“

Nick (l.) und Jan (r.) haben in wenigen Wochen das erste Jahr ihrer Ausbildung zum WKS-Isolierer absolviert.

Nick, 20 Jahre, Azubi bei Isoliertechnik Fritz Hartmann
„Ich konnte mir vor der Ausbildung noch relativ wenig unter dem Beruf des WKSB-Isolierers vorstellen. Damals war tatsächlich mein Chef der ausschlaggebende Punkt, weshalb ich mich trotzdem dafür entschieden habe. Im Bewerbungs­gespräch kam er sehr offen und ehrlich rüber. Ich habe mich direkt willkommen und gut aufgehoben gefühlt. Die Entscheidung für die Ausbildung bei Isoliertechnik Hartmann habe ich bisher nicht bereut. Der Beruf ist sehr vielseitig. Man macht jeden Tag etwas anderes und ist auf anderen Baustellen unterwegs. Es wird also nie langweilig.“

Jan, 18 Jahre, Azubi bei Dohlen Isoliertechnik
„Mich hat das Thema Dämmung interessiert. Deshalb habe ich
mehrere Praktika bei Dohlen Isoliertechnik gemacht. Danach habe ich meinem Chef gesagt, dass ich gerne Isolierer werden will, und er hat mir den Ausbildungsplatz angeboten. Was mir an dem Job besonders gefällt, ist, dass man auch mal an Orten arbeiten kann, an die man sonst nicht kommt. Wir hatten z.B. mal einen Auftrag am Bundeswehrstützpunkt in der Eifel. Außerdem gefällt mir das Arbeitsklima. Mein Chef ist ein offener Mensch und man kann immer mit ihm reden. Ein Beruf kann noch so gut sein, wenn die Stimmung im Team nicht stimmt, hat man auch nichts davon.“

 

Ein besonderes Werkstück: Aus Blech kann auch eine fahrbare Seifenkiste werden. (Quelle: Redaktion TI)

Mehr als nur Wissensvermittlung

Seit 2007 betreut Michael Herding den Isolierer-Nachwuchs in Krefeld. Das Know how bringt der 53-Jährige aus seinem vorherigen Berufsleben mit. „Ich komme aus einer Isolierer-Familie. Mein Vater war schon Isolierer und mein Bruder und ich sind ihm nachgefolgt. Im Anschluss an meine Gesellenprüfung habe ich mit 23 Jahren meinen Meister gemacht und viele Jahre in dem Job gearbeitet.“ Mit dem BZB ist Herding schon lange verbunden, denn auch er hat hier seine überbetriebliche Ausbildung absolviert. Als die Position des Ausbilders frei wurde, nutzte er seine Chance. „Es war eigentlich schon immer mein Wunsch, irgendwann Ausbilder zu werden – es ist mein Traumberuf. Was anderes kann ich mir nicht mehr vorstellen.“

Für ihn steht aber nicht nur das Fachliche im Vordergrund, sondern auch der Spaß bei der Arbeit und das Miteinander. „Wir verbringen hier teilweise mehrere Wochen am Stück zusammen. Mir ist wichtig, dass sich die Azubis wohl fühlen und gerne nach Krefeld kommen.“ Deshalb lässt er sich auch immer wieder etwas Neues einfallen, um seine Schützlinge zu motivieren. „Vor einigen Jahren habe ich z.B. mit den damaligen Lehrlingen eine Seifenkiste aus Blech gebaut und an einem Seifenkistenrennen teilgenommen. Das war super für das Teambuilding.“

Unterstützung bei der Azubisuche

Auch das Blech-Motorrad am Eingang des BZB Krefeld rollt, ist jedoch nicht für den Straßenverkehr zugelassen. (Quelle: Redaktion TI)

Wie in allen anderen Ausbildungsstätten werden auch im BZB die Jahrgänge der Isolierer-Azubis immer kleiner. Das Ausbildungszentrum versucht daher seit einiger Zeit, über das EU-Programm „Passgenaue Besetzung“ Betriebe aktiv bei der Nachwuchswerbung unter die Arme zu greifen. „Das Förderprogramm richtet sich an kleine und mittelständische Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitenden, was ja auf die meisten Isolierfirmen zutrifft. Im Rahmen von ‚Passgenaue Besetzung‘ gehen wir aktiv auf junge Menschen zu und bewerben den Beruf, etwa in Schulen“, erklärt Claudia Burggraf, die für das BZB die Programm-Beratungen durchführt. „Auf der anderen Seite arbeiten wir mit den Betrieben zusammen. Gemeinsam entwickeln wir ein Profil der Ausbildungsstelle sowie ein Anforderungsprofil für Bewerber.“ Auf Wunsch übernimmt das BZB auch die Suche nach potenziellen Azubis und trifft eine Vorauswahl an geeigneten Kandidaten. „Das EU-Förderprogramm bietet noch diverse weitere Unterstützungsmöglichkeiten. Für die Betriebe ist das Angebot kostenfrei. Wir hoffen, dass wir damit – gemeinsam mit dem Handwerk – langfristig großen Erfolg haben.“

 

T|I Technische Isolierung

Der Beitrag ist auch in Ausgabe 2.2021 der Fachzeitschrift TI – Technische Isolierung (Juni) erschienen.

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