RM Rudolf Müller

Das Ausbildungszentrum bildet Isolierer aus und bietet Zusatzausbildungen an (Bild: Kreishandwerkerschaft Emscher-Lippe-West)

Betrieb + Ausbildung
04. August 2020 | Artikel teilen Artikel teilen

Ausbildungszentren: Kreishandwerkerschaft Emscher-Lippe-West

Seit rund vierzig Jahren führt die Kreishandwerkerschaft Emscher-Lippe-West überbetriebliche Lehrlingsunterweisungen und Meistervorbereitungskurse durch. Zu den Ausbildungsaktivitäten gehören präventive Arbeitsmarktdienstleistungen, überbetriebliche Lehrlingsunterweisung und nachhaltige Förderung.

Von Martina Nählen. Im Jahr 2008, gefühlt noch gar nicht so lange her, wurde der Antrag auf Zulassung als Ausbildungsstelle für die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung für das Wärme-, Kälte-, Schall- und Brandschutz-Isolierer-Handwerk beim Zentralverband des Deutschen Handwerks und der SOKA Bau gestellt. Seit der Zulassung 2008, führt die Kreishandwerkerschaft in ihrer Ausbildungswerkstatt die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung für die Auszubildenden in den Kammerbezirken Arnsberg, Bielefeld, Dortmund und Münster durch.

Präzision gehört zum Handwerk (Bild: ABZ Emscher-Lippe-West)

Kontinuierliche Nachwuchswerbung ist Standard

Gestartet wurde mit einer Werkstatt um die 100 m2 und einer Auszubildendenzahl von durchschnittlich maximal zwölf. Bereits im Jahr 2010 war abzusehen, dass eine größere Werkstatt her musste. Zwei Ausbildungsmeister engagierten sich zu dieser Zeit in der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung, Erstausbildung und berufsvorbereitenden Maßnahmen. 2011 war es dann soweit – eine Werkhalle wurde gekauft und zur WKSB-Werkstatt ausgebaut. Die heutige Werkstattgröße umfasst ca. 360 m2 mit einem Unterrichtsraum.

24 Arbeitsplätze sind vorhanden und genügend Platz für die erforderlichen Sicken, Bördel- und Biegemaschinen. Durch kontinuierliche Nachwuchswerbung und enger Zusammenarbeit mit den Ausbildungsbetrieben konnte die Zahl der jährlich abgeschlossenen Ausbildungsverträge leicht gesteigert werden.

Drei Jahre Ausbildung zum WKSB-Isolierer

Regelmäßig finden in den Werkstatträumen die Zwischen- und Gesellenprüfungen für Ausbaufacharbeiter mit der Fachrichtung WKSB und Wärme-, Kälte-, Schall- und Brandschutzisolierer statt.

Drei Jahre dauert die umfassende Ausbildung zum WKSB-Isolierer. Handwerkliches Geschick, technisches Interesse, ein gutes Vorstellungsvermögen sowie Freude an gewissenhafter und selbstständiger Arbeit sind Anforderungen für den zukunftsorientierten Beruf des Isolierers, so Ausbildungsmeister Jürgen Rasch.

Die Ausbildung erfolgt im Betrieb (Werkstatt und Baustelle). Um zusätzliche praktische wie theoretische Grundkenntnisse zu erlangen, besuchen die Auszubildenden während ihrer Lehrzeit überbetriebliche Schulungen – so wie in der hauseigenen Werkstatt des Bildungszentrum.
Ergänzend zur praktischen Ausbildung erhalten sie an der Berufsschule, dem Max-Born-Berufskolleg in Recklinghausen, mit dem eine enge Zusammenarbeit praktiziert wird, berufskundliches und allgemeinbildendes Wissen.

WKSB-Isolierer am händischen Zuschnitt (Bild: ABZ Emscher-Lippe-West)

Das Einsatzgebiet des Isolierers ist vielfältig

Der in der Werkstatt engagierte Ausbildungsmeister Jürgen Rasch bereitet die jungen Menschen intensiv in der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung u.a. für die Arbeit auf der Baustelle vor. Er selbst besucht regelmäßig Fachseminare, um selbst immer auf dem neuesten Stand zu sein. So ist die Werkstatt unter anderem auch zertifizierte Ausbildungsstätte für Armaflex, eine der führenden Marken für flexible technische Isolierungen.
Gerne besuchen auch Gesellen und Meister Schulungen zu thermoplastischen Dämmstoffen, Ummantelungssystemen und Brand- und Schallschutzprodukten in Gelsenkirchen.

Umweltschutz, Energieeinsparung sowie der Schutz gegen Lärm und Brand sind die Einsatzgebiete von Isolierern. Zum Aufgabenspektrum gehören das Zuschneiden von Blechen und Kunststoffteilen, der Umgang mit Dämmstoffen, das Ummanteln von Dämmungen sowie die Montage dieser Teile. Da energieeinsparende Maßnahmen immer mehr an Bedeutung gewinnen, gilt der Isoliererberuf als Beruf mit Zukunft.
Gleichzeitig ist der Fachkräftemangel hier schon heute besonders spürbar; viele offene Stellen bleiben unbesetzt.

Großes Engagement beim Kampf gegen den Fachkräftemangel

Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, ist die Kreishandwerkerschaft sehr rührig rund um den Ausbildungsberuf des WKSB-Isolierers. So besuchten z. B. Gäste aus der Türkei im Rahmen eines Austauschprogramms die Werkstatt der Kreishandwerkerschaft. Zwölf Auszubildende und drei Lehrer sahen sich auf Empfehlung eines ehemaligen Auszubildenden in der Einrichtung um. Berufsorientierungsmessen werden genutzt, um den Beruf vorzustellen, ebenso gibt es Kooperationen mit Haupt-, Real- und Gesamtschulen.

Ausbildungsmeister Jürgen Rasch legt den Schwerpunkt auf die praktische Ausbildung in der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung. Neben den typischen Tätigkeiten des WKSB-Isolierers gehören zum Ausbildungsplan auch Grundkenntnisse aus den Bereichen Fliesenlegen, Holzbau, Gerüstbau und Trockenbau. Auch diese Inhalte vermittelt Ausbildungsmeister Jürgen Rasch.

Ausbildungsleiter Jürgen Rasch (Bild: ABZ Emscher-Lippe-West)

Ein ständiger Austausch und die fortlaufende Entwicklung der Lehrinhalte sind wichtig

Für Lehrzeitverkürzer lässt er sich immer besondere Projekte einfallen. So wurde von Auszubildenden im Rahmen ihrer halbjährigen Lehrzeitverkürzung in der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung als Projektarbeit ein Hubschrauber gebaut. Dieser ziert nun unübersehbar den Pausenunterstand auf dem Werkstatthof.

Wichtig ist dem Ausbildungsmeister die enge Zusammenarbeit mit der Landesfachgruppe. Der Vorsitzende Dieter Einicke ist regelmäßig zu Besuch in der überbetrieblichen Ausbildungsstätte. Fachkräftemangel, Qualität der Ausbildung, Auszubildende für das Isolierer-Handwerk gewinnen, sind nur einige Themenschwerpunkte, die besprochen werden. Daneben findet ebenfalls ein reger Austausch mit den Betriebsinhabern statt, um die Lehrinhalte der überbetrieblichen Unterweisung unter Berücksichtigung der Lehrpläne auch den Erfordernissen der Betriebe anzupassen.

Die Präsentation des Ergebnisses einer Projektarbeit kommt auch mal aufs Dach (Bild: ABZ Emscher-Lippe-West)


Autorin
Martina Nählen: Stv. Geschäftsführerin BZ der Kreishandwerker­schaft Emscher-Lippe-West
naehlen@kh-emscher-­lippe.de

Weitere Informationen:

Kreishandwerkerschaft Emscher-Lippe-West
Emscherstr. 44
45891 Gelsenkirchen
www.kh-emscher-lippe.de


Dieser Beitrag ist Bestandteil einer Serie zu Ausbildungsstätten der WKSB- und Industrie-Isolierer.

Jedes Jahr werden von Unternehmen aus Industrie und Handwerk weltweit zahlreiche Isolierer ausgebildet. Allein in Deutschland existieren 14 Aus- und Weiterbildungseinrichtungen für die WKSB- und Industrie-Isolierer. Die Einrichtungen arbeiten bei Ausbildung in der Regel Hand in Hand mit den Ausbildungsunternehmen und denBerufsschulen und bilden somit ein duales Ausbildungssystem, das sich bewährt hat.
Die Vermittlung der Handfertigkeiten des komplexen Gewerkes reicht von der klassischen Gesellenschulung bis hin zu den Meisterabschlüssen der Industrie-Isolierer.

Bisherige Beiträge:

Ausbildungszentrum der Bauindustrie in Hamm/Westfalen
Bayerische BauAkademie in Feuchtwangen
Kreishandwerkerschaft Emscher-Lippe-West

Der Beitrag ist auch in Ausgabe 2.2020 der Fachzeitschrift TI – Technische Isolierung (Mai 2020) erschienen.

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