Die Ausbildungshalle für die Industrie-Isolierer (Quelle: ÜAZ Holleben)
Die Ausbildungshalle für die Industrie-Isolierer (Quelle: ÜAZ Holleben)

Betrieb + Ausbildung

12. October 2020 | Teilen auf:

Ausbildungszentren Teil 4: Überbetriebliches Ausbildungszentrum Holleben

Das Überbetriebliche Ausbildungszentrum Holleben wurde Anfang der neunziger Jahre komplett neu errichtet und ist seither eines der großen und modernen Ausbildungszentren der Bauwirtschaft in Deutschland. Von der Berufsorientierung über die Ausbildung bis hin zur individuell konzipierten Weiterbildung für Fach- und Führungskräfte bekommen regionale wie überregionale Unternehmen im ÜAZ Holleben rund um die Bildung alles aus einer Hand.

Von Kerstin König.

Industrie-Isolierer ein Beruf mit Zukunft

Industrie-Isolierer sorgen dafür, dass industrielle Anlagen kälte-, wärme- und schallisoliert sind. Spezielle Materialien und Dämmstoffe sollen unnötige Energieverluste verhindern bzw. die Lärmbelastung reduzieren. Feuerfestes Dämmmaterial leistet zusätzlich einen Beitrag zum Brandschutz. Das Aufgabenspektrum ist dabei vielfältig: Von der Montage von Trag- und Stützkonstruktionen, über den Zuschnitt und die Anbringung des isolierenden Materials bis hin zur Verkleidung der Dämmstoffe mit Kunststoffen oder Blech muss ein Industrie-Isolierer sowohl handwerklich geschickt als auch mit technischem Verständnis agieren können.  Ein Beruf, der bereits in der Ausbildung viel Abwechslung bietet und voll im allgemeinen Trend von Energieeffizienz und Nachhaltigkeit liegt.

Hoher Qualitätsanspruch in der Ausbildung

Seit 1994 beginnen jedes Jahr ca. 25 Auszubildende ihre Laufbahn als Industrie-Isolierer im ÜAZ Holleben – Tendenz steigend. Dazu stehen auf 520 m 2 in 2 hellen und modernen Werkhallen von elektrischen Sickenmaschinen, Handbiegemaschinen, Abkanten über Schlagscheren und Handrundmaschinen bis zur Kreisschere alle Maschinen zur Verfügung, die für eine solide Ausbildung benötigt werden.

Der Ausbilder Hendrik Zietz – selbst Meister im Wärme-, Kälte- und Schallschutzhandwerk – achtet in seiner Arbeit sehr darauf, das handwerkliche Geschick der Auszubildenden zu fördern.

Ausbildungsleiter Zietz mit seinen Schülern (Quelle: ÜAZ Holleben)

Engagement gezielt fördern

Wichtig – so Zietz – ist neben fachlich kompetenter Anleitung vor allem auch ein „guter Draht“ zu den jungen Leuten. Im Laufe der Ausbildungszeit entwickeln sich auf diese Weise motivierte und engagierte junge Facharbeiter, die eigenverantwortlich und mit Übersicht, allein oder auch im Team ihre Arbeitsaufgaben bewältigen. Gefördert werden Engagement und Leistungsbereitschaft unter anderem auch durch die regelmäßige Teilnahme an Leistungsvergleichen mit anderen Ausbildungszentren sowie durch die Möglichkeit zur aktiven Mitgestaltung des Ausbildungszentrums in Form von anspruchsvollen und zum Teil auch witzigen Ausstellungsstücken (siehe Abb. 4).

Wer seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt noch weiter optimieren möchte, hat die Möglichkeit an umfangreichen Zusatzqualifikationen teilzunehmen. So kann beispielsweise die Bedienberechtigung für Gabelstapler oder auch ein Drohnenführerschein erworben werden. Außerdem nehmen die Auszubildenden an den regelmäßigen Anwenderschulungen einschlägiger Materialhersteller wie z.B. Armaflex oder Rockwool etc. teil.

Aktiv gegen den Fachkräftemangel

Obwohl die Entwicklungsmöglichkeiten für ausgebildete Fachkräfte im Bereich Industrie-Isolierung sehr attraktiv sind, leiden auch in dieser Branche die regionalen wie überregionale Isolierfirmen unter dem aktuellen Fachkräftemangel.

Das ÜAZ Holleben unterstützt hierbei aktiv über gezielte Programme zur Berufsorientierung und Nachwuchsgewinnung. Ein 3-köpfiges Team betreut Schüler bereits ab den 8. Klassen an zahlreichen Schulen des Saalekreises, Burgenlandkreises und der Stadt Halle. In Potenzialanalysen werden Stärken und persönliche Neigungen der Jugendlichen ermittelt und anschließend im ÜAZ Holleben im Rahmen der sogenannten Werkstatttage praktisch erprobt. Darüber hinaus werden Nachwuchsfachkräfte über Kooperationen und verschiedene Projekte aus der Mongolei sowie aus Vietnam zur Ausbildung ins ÜAZ nach Holleben akquiriert.

Die Ausbildung zum Isolierer erfordert Präzision (Quelle: ÜAZ Holleben)

Attraktive Entwicklungsmöglichkeiten – Duales Studium

Die Tätigkeiten des Industrie-Isolierers lassen sich darüber hinaus auch hervorragend mit einer akademischen Ausbildung in Form eines Dualen Studienganges verknüpfen. Für Abiturienten und Bewerber mit Fachhochschulreife wurde gemeinsam mit der Hochschule Merseburg ein Modell im Bachelorstudiengang Wirtschaftsingenieurwesen Fachrichtung Energietechnik konzipiert, welches durch eine begleitende Berufsausbildung zum Industrie-Isolierer passgenau ergänzt wird und die Nachwuchsfachkräfte unter anderem auf Projektleitungstätigkeiten in Isolierunternehmen vorbereitet. Die Möglichkeit des Dualen Studiums stößt sowohl bei den jungen Menschen als auch bei den Unternehmen auf reges Interesse. Ein vergleichbares Modell eines kooperativen Studienganges wird ebenfalls für den Bereich Bauingenieurwesen angeboten.

Immer auf dem aktuellen Stand

Minion als Isolierarbeit (Quelle: ÜAZ Holleben)

Auch im Bereich der Industrie-Isolierungen entwickeln sich Technik und Materialien ständig weiter. Über regelmäßige Anwenderschulungen und zahlreiche Lehrgänge für Auszubildende und Fachkräfte trägt das ÜAZ Holleben diesen Entwicklungen Rechnung. So finden beispielsweise mehrmals im Jahr Armaflex- und Rockwool Brandschutz- & Lüftungslehrgänge sowie Schulungen zu Coroplast Klebetechnik oder die Verarbeitung von Foamglas und Isover Dämmstoffen statt. Geplant sind zusätzlich neben der Möglichkeit zum Drohnenführerschein auch Schulungen zum gezielten Einsatz hoch moderner Drohnen zum Auffinden von Schäden in der Isolierung und damit von Energieverlusten.

Eine Technologie, mit der sich systematisch und präzise auch große, unübersichtliche oder schwer zugängliche Stellen in Industrieanlagen inspizieren lassen.

Angebote am Bedarf orientiert

Die Konzipierung neuer Qualifizierungsangebote erfolgt passgenau in enger Zusammenarbeit mit den Unternehmen, sodass auf veränderte Ansprüche zeitnah reagiert werden kann.

So werden demnächst auch regionale wie überregionale Isolierfirmen Ihre zukünftigen Führungskräfte zum Industrie-Meister Fachrichtung Isolierung in Holleben qualifizieren lassen können. Die Meisterausbildung soll 2021 erstmalig an den Start gehen – das Interesse der Firmen ist groß.

Autor

Kerstin König: Leiterin ÜAZ Holleben Bau Bildung Sachsen-Anhalt e.V.
holleben@bauausbildung.de

Weitere Informationen:
Bau Bildung Sachsen-Anhalt e. V.
Überbetriebliches Ausbildungszentrum Holleben
Südstr. 4a
06179 Teutschenthal OT Holleben
bbst.bau-bildung.de/standorte/holleben

Dieser Beitrag ist Bestandteil einer Serie zu Ausbildungsstätten der WKSB- und Industrie-Isolierer.

Jedes Jahr werden von Unternehmen aus Industrie und Handwerk weltweit zahlreiche Isolierer ausgebildet. Allein in Deutschland existieren 14 Aus- und Weiterbildungseinrichtungen für die WKSB- und Industrie-Isolierer. Die Einrichtungen arbeiten bei Ausbildung in der Regel Hand in Hand mit den Ausbildungsunternehmen und denBerufsschulen und bilden somit ein duales Ausbildungssystem, das sich bewährt hat.
Die Vermittlung der Handfertigkeiten des komplexen Gewerkes reicht von der klassischen Gesellenschulung bis hin zu den Meisterabschlüssen der Industrie-Isolierer.

Weitere Beiträge:

Ausbildungszentrum der Bauindustrie in Hamm/Westfalen
Bayerische BauAkademie in Feuchtwangen
Kreishandwerkerschaft Emscher-Lippe-West
Überbetriebliches Ausbildungszentrum Holleben

Der Beitrag ist auch in Ausgabe 3.2020 der Fachzeitschrift TI – Technische Isolierung (August 2020) erschienen. Interessieren Sie sich für weitere Artikel? Dann testen Sie die Fachzeitschrift unverbindlich im Probeabo mit zwei kostenlosen Ausgaben! Digitale Ausgabe lesen? Die komplette Ausgabe gibt es auch als pdf zum kostenlosen Download

zuletzt editiert am 22.11.2021