RM Rudolf Müller

Gemeinsam lernen und arbeiten: Im ÜAZ Brandenburg a.d. Havel kommen die WKSB-Isolierer-Azubis mehrere Wochen im Jahr zusammen. (Quelle: Uwe Behr/ÜAZ Brandenburg a.d. Havel)

Betrieb + Ausbildung
06. April 2021 | Artikel teilen Artikel teilen

Ausbildungszentren – ÜAZ Brandenburg an der Havel

Viele WKSB-Isolierer-Azubis aus Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern kommen während ihrer Ausbildungszeit für mehrere Wochen im Jahr nach Brandenburg an der Havel. Im hier ansässigen Überbetrieblichen Ausbildungszentrum (ÜAZ) des Berufsförderungswerks der Bauindustrie Berlin-Brandenburg e.V. wird ihnen das theoretische Know-how vermittelt, das sie für den späteren Arbeitsalltag brauchen. Doch auch soziale Kompetenzen stehen auf dem Stundenplan. 

Die Fachrichtung WKSB-Isolierung hat im ÜAZ Brandenburg an der Havel Tradition. Seit 1990 werden hier Jugendliche zu Isoliererinnen und Isolierern ausgebildet. Der 1999 errichtete Neubau des ÜAZ bietet 160 Werkstattplätze, die durch eine temporäre Halleneinheit um 96 weitere ergänzt werden. Somit lernt und arbeitet der WKSB-Isolierer-Nachwuchs Seite an Seite mit Azubis aus anderen Fachrichtungen der Bauwirtschaft, darunter Maurer, Zimmerer oder Straßenbauer. Da mehrere der überbetrieblichen Lehrgänge länderübergreifend angeboten werden, kommen die Jugendlichen nicht nur aus Brandenburg, sondern auch aus Berlin oder Mecklenburg-Vorpommern. Bei Bedarf werden sie in einem der beiden Gästehäuser untergebracht, die zusammen rund 100 Schlafmöglichkeiten bieten. Somit gehen das Team-Building und der Erfahrungsaustausch häufig auch nach Ende des Unterrichts weiter. Betreut werden die Jugendlichen vor allem von Ausbilder Uwe Behr. Er unterstützt jedoch nicht nur auf fachlicher Ebene, sondern kümmert sich auch um die sozialen Belange. „Die Bandbreite unserer Azubis erstreckt sich vom Förderschüler bis zum Abiturienten. Und nicht zu vergessen ist auch, dass die Zahl der Migranten unter den Azubis stetig steigt“, ­erklärt Behr. „Jeder bringt seine eigenen Probleme mit. Darauf müssen wir uns einstellen, denn wir verbringen viel Zeit miteinander.“

 

Genaues Augenmaß ist wichtig, millimetergenaues Arbeiten jedoch unumgänglich. (Quelle: Uwe Behr/ÜAZ Brandenburg a.d. Havel)

Sitzt, passt und hat Luft – aber wackeln tut hier nichts mehr. Das zeigt auch die Handstandprobe. (Quelle: Uwe Behr/ÜAZ Brandenburg a.d. Havel)

 

Schrittweise zum Experten

Die Inhalte der überbetrieblichen Ausbildung im ÜAZ Brandenburg an der Havel werden in Abstimmung mit der Landesinnung der Isolierer konzipiert und weiterentwickelt. Im ersten Lehrjahr stehen Grundlagen auf dem Plan, die für das Tagesgeschäft des WKSB-Isolierers notwendig sind. Dazu gehören Kenntnisse in den Bereichen Gerüstbau, Trockenbau oder auch Holzbau. „Die Jugendlichen sollen dadurch in die Lage versetzt werden, im Berufsleben auch Tätigkeiten auszuführen, die neben der Isolierung als solcher wichtig sind“, erklärt Uwe Behr. Dazu zählen etwa der Umgang mit Mörteln im Brandschutz oder die Verhaltensweisen auf Rüstungen.
In der anschließenden Fachbildung im zweiten und dritten Lehrjahr liegt der Fokus wiederum auf der Verarbeitung von Dämmstoffen und der Abwicklung von Formteilen.

Die Leistung der Jugendlichen bewertet aber nicht nur das ÜAZ, wie Uwe Behr berichtet: „Am Ende des zweiten Ausbildungsjahrs steht ein interner Leistungsvergleich an, zu dem Vertreter der Ausbildungsbetriebe eingeladen sind. Dadurch bekommen sie einen besseren Eindruck vom Leistungsstand ihrer Lehrlinge.“ Zeigen Azubis Schwächen, lassen sich diese ganz gezielt beheben.

Auszubildende, die ihre Lehre bereits nach dem zweiten Lehrjahr abschließen, sind WKSB-Facharbeiter. Wird auch das dritte Lehrjahr erfolgreich absolviert, erhält man den Abschluss Geselle der Wärme-, Kälte-, Schall- und Brandschutzisolierung.
Unabhängig von der Anzahl der Lehrjahre ist für Ausbilder Uwe Behr die überbetriebliche Ausbildung dann erfolgreich zu Ende gebracht, wenn sich die Nachwuchskräfte im späteren Berufsleben alleine zurechtfinden. Dazu gehören die Arbeitsvorbereitung, die Durchführung und die Nachbereitung. Neben der fachlichen Expertise spielt jedoch auch die soziale Kompetenz eine entscheidende Rolle. „Der respektvolle Umgang mit Vorgesetzten und Kunden ist ein ebenso wichtiger Teil der Ausbildung“, weiß Behr.

Im 1. Lehrjahr stehen Grundlagen auf dem Plan, danach die Fachausbildung. (Quelle: Uwe Behr/ÜAZ Brandenburg a.d. Havel)

Zu Übungszwecken stellen die Azubis kreative Designobjekte her. (Quelle: Uwe Behr/ÜAZ Brandenburg a.d. Havel)

Fachkräftemangel hält an

In vielen Handwerksberufen fehlt der Nachwuchs – das bekommt auch das ÜAZ Brandenburg an der Havel zu spüren. Während hier in den 1990er Jahren noch 20 bis 30 Azubis pro Jahrgang fit für den Beruf gemacht wurden, sind es heute nur 10 bis 12. „Der Beruf des Wärme-, Kälte-, Schall- und Brandschutzisolierers steht in der Liste der Ausbildungsberufe sehr weit unten und findet dadurch bei der Berufswahl oft keine Beachtung“, bedauert Uwe Behr. „Trotz intensiver Zusammenarbeit mit den Betrieben und der Präsenz auf regionalen Messen ist es uns in den letzten Jahren nicht gelungen, mehr junge Menschen für den Beruf zu begeistern.“ Und auch das Marketing der Isolierunternehmen zeigte in der Vergangenheit häufig nur mäßigen Erfolg. Uwe Behrs Erfahrung nach spielt die Mund-zu-Mund-Propaganda bei der Berufswahl daher eine umso wichtigere Rolle: „Vielfach wird das Interesse durch Verwandte oder Bekannte geweckt statt durch gezielte Werbemaßnahmen.“

Digitalisierung ist unerlässlich

Was sich Uwe Behr für die Zukunft der ­Ausbildung zum WKSB-Isolierer wünscht? Sie müsse weiter abwechslungsreich und ­interessant gestaltet werden. Die Digitalisierung biete große Chancen, etwa in Form von Smartboards für Präsentationen oder von mobilen Endgeräten für die Berechnungsprogramme der Hersteller. Auch die Zusammenarbeit mit den Produzenten der Industrieerzeugnisse und die ­daraus ­resultierenden Fachvorträge mit Praxis­einheiten seien eine große Bereicherung für die Ausbildung – das müsse so blieben.
Darüber hinaus werde bereits auf allen ­Ebenen versucht, die Attraktivität und die Zukunftsfähigkeit des Berufsfelds herauszustellen. Dazu gehöre die Neuordnung der Bauberufe hinsichtlich der Rahmenlehrpläne. „Das wurde schon initiiert, sodass vielleicht ab 2022 oder 2023 mit einer Modernisierung zu rechnen ist“, berichtet Behr. „Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) haben zudem mehrere Förderprogramme zur Digitalisierung gestartet, an denen wir uns beteiligen. Ziel ist, durch eine moderne Ausstattung und Lernumgebung die Attraktivität von Bauberufen zu steigern. Jede unserer Ausbildungsrichtungen wird betroffen sein – auch die der WKSB-Isolierung.“

 

Der Beitrag ist auch in Ausgabe 1.2021 der Fachzeitschrift TI – Technische Isolierung (Februar) erschienen.

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