RM Rudolf Müller
Der gemeine Bauschaden: Ausführung von haustechnischen Brandabschottungen entgegen ihrem Verwendbarkeitsnachweis

(Bild: K. Kermann)

Der gemeine Bauschaden
12. Februar 2020 | Artikel teilen Artikel teilen

Ausführung von haustechnischen Brandabschottungen entgegen ihrem Verwendbarkeitsnachweis

Die Abschottung von Rohrleitungen, wie in diesem Beispiel von nichtbrennbaren Stahlrohren, muss entsprechend der Anforderung des Bauteiles ausgeführt werden. In diesem Fall handelt es sich um eine Stahlbetondecke mit der Feuerwiderstandsdauer von 90 Minuten, d.h. F90-A. Dadurch muss die Rohrdurchführung mit der Feuerwiderstandsdauer R90 abgeschottet werden.

Zwei Lösungsmöglichkeiten:


Variante 1:

Die Verwendung eines Abschottungssystems mit entsprechenden Verwendbarkeitsnachweisen, z.B. eines allgemein bauaufsichtlichen Prüfzeugnisses.

Der gemeine Bauschaden: Ausführung von haustechnischen Brandabschottungen entgegen ihrem Verwendbarkeitsnachweis

(Bild: K. Kermann)

Variante 2:

Im vorliegenden Fall handelt es sich um Abwasserleitungen aus Gussstahl in einem geschlossenen System, mit einem äußeren Durchmesser ≤ 160 mm, sowie Abstände zu benachbarten Installationen größer als der Durchmesser der größten Abwasserleitung.

Hier können die Erleichterungen der Musteranlagenrichtlinie angewendet werden (siehe Kommentar zur MLAR Lippe, Wesche, Rosenwirth, Reintsema).

Bei der Verwendung von Rohrabschottungen muss unbedingt vorher geprüft werden, für welches Rohrmaterial und Rohrtyp das gewählte System einsetzbar ist.

Die verwendeten Brandschutz-Rohrmanschetten sind nicht für nichtbrennbare Stahlgussleitungen geeignet, sondern nur für Kunststoffleitungen mit denen im Verwendbarkeitsnachweis angegebenen Rohrtypen.

Das Wirkprinzip der Brandschutzmanschette besteht darin, dass die in der Manschette eingebaute Brandschutzpackung im Brandfall bei entsprechender Temperatureinwirkung aufschäumt und das ebenso erwärmte Kunststoffrohr direkt zusammenpresst und dadurch einen Brandübertritt auf die andere Brandabschnittsseite verhindert.

Der gemeine Bauschaden: Ausführung von haustechnischen Brandabschottungen entgegen ihrem Verwendbarkeitsnachweis

(Bild: K. Kermann)

Sanierungsvorschlag:

  • Rückbau der montierten Brandmanschette.
  • Prüfen, ob der Ringspalt zwischen SML-Gussleitung verschlossen ist und kleiner gleich 50 mm groß ist.
  • Wenn nicht, den Ringspalt mit Steinwolle 1.000 °C Schmelzpunkt auf die Deckenstärke mit 90 kg/m³ Stoppdichte füllen.
  • Abfugen des mit Steinwolle verfüllten Ringspaltes. Dies wäre aus brandschutztechnischen Gründen nicht notwendig, da bei 90 kg/m³ Rohdichte der Rauchgasdurchgang verhindert wird.
  • Allerdings ist dies in unserem Beispiel bei der Deckenunterseite zu empfehlen, um das herabrieseln von Steinwolle zu vermeiden, und die Verfugung im sichtbaren Bereich die bessere Optik bietet.
  • Nach Fertigstellung wäre es sinnvoll, ein Kennzeichnungsschild mit dem Hinweis, dass die Rohrdurchführung auf Grundlage der MLAR bzw. entsprechend dem Bundesland eingeführten LAR ausgeführt wurde. Diese Kennzeichnung ist wie bei einem System, welches durch ein allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis erstellt wurde, nicht notwendig, sorgt aber dennoch für Klarheit über den Errichter und das verwendete System.
  • Damit hat der Bauherr die Möglichkeit bei Schäden an der Abschottung sowie bei Änderungen des Rohrsystems wieder auf die entsprechende Firma zuzugreifen.

Autor

Karlheinz Kermann: Öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger und Meister für das Wärme-, Kälte-, Schall- und Brandschutzisolierer-Handerk, TIPCHECK engineer of EiiF.
kk@kermann.de

 
Der Beitrag ist auch in Ausgabe 3.2019 der Fachzeitschrift TI – Technische Isolierung (November 2019) erschienen.

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