Betrieb + Ausbildung

25. March 2021 | Teilen auf:

Baubranche: wieder mehr Lehrstellen vergeben

Die Azubisuche gestaltet sich seit Jahren schwierig. Die Pandemie hat das Problem weiter verstärkt. Verglichen mit anderen Wirtschaftszweigen zeigt sich in der Baubranche allerdings ein leichter Aufwärtstrend, wie eine Erhebung der SOKA-Bau verdeutlicht.

Die Corona-Pandemie hat die Situation auf dem Ausbildungsmarkt 2020 stark beeinflusst. Laut der Bundesagentur für Arbeit waren im Dezember 56.700 gemeldete Bewerberinnen und Bewerber immer noch auf der Suche nach einem passenden Ausbildungsplatz, 21 % mehr als noch ein Jahr zuvor (+ 9.800) [1]. Gleichzeitig stieg die Zahl unbesetzter Ausbildungsplätze um 15 % (+ 2.100). Grund für den starken Zuwachs war u.a., dass die Berufsorientierung im Jahr 2020 deutlich schwieriger war. So fielen etwa Ausbildungsmessen und andere Veranstaltungen wie Schnuppertage in Betrieben oder Praktika aus.
Insgesamt ist das Fazit zur Entwicklung des Ausbildungsmarkts während der Pandemie also eher ernüchternd. Betrachtet man jedoch die einzelnen Wirtschaftszweige, betrifft der Negativtrend nicht alle gleichermaßen. So zeigt sich in der Baubranche ein deutlich positiveres Bild: Trotz der schwierigen Situation hat sich der Ausbildungsmarkt hier vergleichsweise gut entwickelt. Das zeigt eine Auswertung der Sozialkassen der Bauwirtschaft (SOKA-BAU) [2]. Demnach stiegen die Ausbildungsverhältnisse im laufenden Ausbildungsjahr um 3,4 % gegenüber dem Vorjahr, auf rund 14.150. Die Zahl aller Azubis nahm mit 3,4 % genauso stark zu: Rund 41.000 junge Bauarbeitnehmer befinden sich derzeit in Ausbildung. „Damit beweist die Baubranche einmal mehr ihre Attraktivität“, kommentiert Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des ­Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB). „Besonders erfreulich ist, dass die Zahl junger Frauen, die sich für eine Ausbildung am Bau entschieden haben, um 10 % gestiegen ist“, führt Pakleppa weiter aus.

Verträge auf dem letzten Meter

Nach Einschätzung der SOKA-Bau ist der Anstieg der Ausbildungsverhältnisse vor allem auf den Jahresendendspurt zurückzuführen: Im Oktober und November 2020 wurden noch zahlreiche Verträge geschlossen. Möglicherweise habe die Unsicherheit aufgrund der Pandemie zum Aufschub der Vertragsabschlüsse geführt, so die Vermutung der Sozialkassen. Wie die Auswertung zeigt, war bis Ende September noch ein Rückgang der Bewerberzahlen und Ausbildungsstellen zu verzeichnen, auch wenn dieser im Hoch- und Tiefbau auch dann schon weniger stark ausgeprägt war als in anderen Branchen.

Azubisuche bleibt herausfordernd

Das Angebot an Ausbildungsplätzen in der Baubranche ist groß. Nach Einschätzung der SOKA-Bau ist das u.a. ein Erfolg der umlagefinanzierten Ausbildungsförderung, die alle Baubetriebe an der Ausbildungsfinanzierung beteiligt und somit die Belastung für die Ausbildungsbetriebe reduziert. Die hohe Zahl an Vertragsabschlüssen nach Beginn des Ausbildungsjahres (5. Quartal) habe ­daher zu einem Anstieg neuer Ausbildungsverhältnisse geführt und dafür gesorgt, dass sich der Bauausbildungsmarkt erneut besser entwickelt hat als der Branchendurchschnitt.
Trotz des Aufwärtstrends dürfte sich Azubisuche auch in naher Zukunft jedoch nicht maßgeblich einfacher gestalten: Aufgrund des hohen Fachkräftebedarfs der Branche und der hohen Zahl an Ausbildungsstellen bleiben relativ gesehen immer noch viele Ausbildungsstellen in der Bauwirtschaft unbesetzt. Auf 100 gemeldete Ausbildungsstellen kommen im Hoch- und Tiefbau weniger als 50 Bewerberinnen und Bewerber.

Die TI-Isolierer-Landkarte: Aus- und Weiterbildungseinrichtungen in Deutschland (Quelle:TI Technische Isolierung)

Die Ausbildungsstätten der WKSB- und Industrie-Isolierer

In Deutschland gibt es derzeit 14 Aus- und Weiterbildungseinrichtungen, in denen der WKSB- und Industrie-Isolierer Nachwuchs fit für den Beruf macht wird. Die Einrichtungen arbeiten i.d.R. Hand in Hand mit den Ausbildungsbetrieben und den Berufsschulen und bieten somit ein duales Ausbildungssystem, das sich bewährt hat.

Die Vermittlung der Handfertigkeiten des komplexen ­und technisch hoch anspruchsvollen Gewerkes reicht von der klassischen Gesellenschulung bis hin zu den ­Meisterabschlüssen der Industrie-Isolierer. In dieser Serie stellen wir die Orte vor, an denen für viele Fachkräfte die berufliche Laufbahn in der Isolierbranche beginnt


Quellen:

Blickpunkt Arbeitsmarkt, Dezember und Jahr 2020 ; Stand: Januar 2021
SOKA-Bau ; Stand: Januar 2021

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zuletzt editiert am 26.10.2021