Branchen-News

02. March 2021 | Teilen auf:

Branchen-Perspektiven 2021

Das Jahr 2020 verlief aufgrund der Corona-Pandemie anders als erwartet, auch für die Isolierbranche. Doch was bringt das neue Jahr? Wie wird sich die Branche entwickeln? Und welche langfristigen Auswirkungen hat die Pandemie für Isolierbetriebe, Verbände und Hersteller? Wir haben nachgefragt.

Dr.-Ing Rudolf K. Jürcke, Präsident Fédération Européenne des Syndicats d’Entreprises d’Isolation (FESI)

Tino Beyer, Verkaufsleiter (D/AT/CH), Dämmstoffhandel / OEM, Kaimann GmbH

Andreas Gürtler, Director European Industrial Insulation Foundation (EiiF)

Jörg Seidemann und Klaus Peerenboom, Geschäftsführer ISOPARTNER GmbH & Co. KG

Markus Biland, Geschäftsführer MABI AG

Thomas Pitsch, Vertriebsleiter Schwartmanns Maschinenbau GmbH

„Zu Beginn der Corona-Krise war die Branche gefühlt wie in einer Schockstarre. Die Stimmung habe ich als skurril wahrgenommen: Das Telefon klingelte nicht, es kamen keine E-Mails an usw. Wir haben damals Notfallpläne erstellt und waren auf alles vorbereitet. Zu Beginn der Pandemie gingen wir auch in Kurzarbeit. Doch in der zweiten Jahreshälfte hat sich das Geschäft stabilisiert. Mit dem Start in 2021 sind wir hochzufrieden. Und wir blicken optimistisch in die Zukunft. Denn Schwartmanns hat in seiner 55-jährigen Unternehmensgeschichte weltweit so viel Strahlkraft entwickelt, dass wir Rückgänge in einzelnen Gebieten mit Steigerungen in anderen kompensieren können. Zudem sind wir auf einer Reise vom klassischen Maschinenbau- zum Technologieunternehmen. Wir bieten jetzt auch Neuheiten wie das lasergestützte Aufmaßsystem isodot (TI-Produkt des Jahres 2020) und ab 2021 eine Laserschneidanlage und weitere Innovationen an. Aus Kundengesprächen wissen wir, dass die Auftragsbücher bei den meisten Isolierern gut gefüllt sind. Im Bereich Haustechnik wird das auch so bleiben. Eventuell gibt es einige Industrieprojekte, die zurückgestellt werden. Durch die Energieeinsparverordnungen und die staatlichen Vorgaben zur CO2-Reduzierung wird es aber eine erhöhte Nachfrage nach Isolierung geben. Die Klimaziele der Regierungen sind die Treiber der neuen Möglichkeiten für Isolierbetriebe. Die Branche ist gut vernetzt und hat mit der European Industrial Insulation Foundation (EiiF) eine tolle Organisation an ihrer Seite, um ihre Interessen in Brüssel und den Bundesregierungen zu platzieren.“

Andreas Regel, Produktmanager Isolierung, Bilfinger OKI Isoliertechnik GmbH

„Die Isolierbranche ist seit jeher ein wichtiger Baustein in der Industrie, denn durch die richtigen Dämmsysteme werden rechtliche Bestimmungen im Bereich des Arbeitsschutzes umgesetzt und die wirtschaftlichen Aspekte durch die Steigerung der Energieeffizienz unterstützt. Das wird auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen, damit die deutsche Industrie wettbewerbsfähig und somit zukunftsfähig und emissionsarm produzieren kann. Im Jahr 2020 wurde von der EU-Kommission der European Green Deal (EGD) verabschiedet, welcher für alle EU-Mitgliedsstaaten eine verpflichtende Reduzierung von Treibhausgas Emissionen in Höhe von 55 % bis zum Jahr 2030 gegenüber dem Ausgangsjahr 1990 vorsieht. Dieses ehrgeizige Ziel hatte die Bundesregierung mit ihrem Nationalen Energieund Klimaplan bereits im Vorfeld für Deutschland beschlossen. Diese Vorgaben verstärken den Druck auf die Industrie, im Jahr 2021 effiziente Maßnahmen zur CO2-Einsparung zu ergreifen und entsprechende Isolierarbeiten zu beauftragen. In diesen Vorschriften zur Reduzierung der CO2-Emissionen liegt großes Potenzial für die Isolierbranche: Die Identifikation von Energieverlusten in Industrieanlagen und die Isolierung dieser Bereiche spart Energie für den Betreiber und senkt so den Energieverbrauch und damit die Energiekosten und den CO2-Ausstoß. Nach jüngsten Studien der European Industrial Insulation Foundation (EiiF) kann bis zu 15% der notwendigen CO2-Einsparung im Industriesektor Deutschlands durch Isolierung erreicht werden. Mit unseren gut ausgebildeten Ingenieuren ist Bilfinger als Industriedienstleister auf diese Aufgaben bestens vorbereitet.“

Wolfgang Kreuch, BU-Leiter, Wrede & Niedecken GmbH

„Das Jahr 2020 war vor allem von Corona geprägt. Vor diesem Hintergrund entwickelten wir ein Hygienekonzept, mit dem wir ohne größere Unterbrechungen weiterarbeiten konnten. Das Konzept überzeugte unseren Auftraggeber und wurde bis heute beibehalten. Neben unseren umfangreichen Arbeitssicherheitsunterweisungen wurden Personalschulungen in Bezug auf Hygienemaßnahmen durchgeführt und die Abläufe auf der Baustelle neu organisiert. Um Ansteckungen zu vermeiden, gab es sehr restriktive Kontaktregeln. Insbesondere wurden die Transportmöglichkeiten für unsere Mitarbeiter auf der Baustelle neu organisiert, damit nur noch zwei Personen statt zuvor sechs in einem Auto fahren. Auch die Pausenzeiten mussten neu organisiert werden. Außerdem durften sich verschiedene Teams nicht mehr vermischen, um im Falle einer Corona-Infektion nicht die gesamte W&N-Mannschaft in Quarantäne schicken zu müssen. Insgesamt war dies eine enorme Herausforderung – aber als Team haben wir es wirklich sehr gut gemeistert. Auch das Jahr 2021 wird für uns weiterhin deutlich unter dem Einfluss der Pandemie stehen und die Abläufe in einigen Bereichen erschweren. Wir können nur hoffen, dass es im Jahr 2022 wieder anders aussehen wird.“

Der Beitrag ist auch in Ausgabe 01.2021 der Fachzeitschrift TI – Technische Isolierung (November 2020) erschienen.

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zuletzt editiert am 15.09.2021