RM Rudolf Müller

Praxiswissen
01. Februar 2021 | Artikel teilen Artikel teilen

Der gemeine Bauschaden

Abb. 1: Schlecht belüftete Rohrtrasse im Doppelboden (Fotos: Karlheinz Kermann)

Abb. 2: Vollständige Verfüllung der Hohlräume um die gedämmten Rohrsysteme

Bei der Ausführung von Kältedämmarbeiten mit synthetischem Kautschuk an Rohrsystemen für den Klimakaltwasserbereich (üblicherweise mit einem Vorlauf von +6,0 °C und einem Rücklauf +12,0 °C) müssen die nach Einbau erforderlichen Abstände vorhanden sein, um eine Kondensation auf der Oberfläche der Dämmung zu vermeiden. Gleiches gilt für die entsprechenden freien Lufträume.

Das Problem

Häufig werden Leitungen in Böden oder Wänden verlegt und mit verschiedenen Baustoffen verfüllt bzw. verschlossen. Bei diesem Vorgang wird allerdings sehr oft DIN 4140 vernachlässigt, genauer der Abschnitt 4.6 „Korrosionsschutz unter Dämmungen“ mit dem Hinweis auf die Q151 „Korrosionsschutz unter Isolierungen“. Das hat zur Folge, dass der Zwischenraum zwischen den Rohrstrecken nach der Dämmung nicht groß genug ist.

Die Abbildung 1 zeigt einen schlecht belüfteten Bereich: Eine Rohrtrasse im Doppelboden mit geringen Abständen, fehlendem Korrosionsschutz und schlecht belüftetem Hohlraum. Die Korrosion an den Rohrleitungen ist kaum zu übersehen.

Einen Bereich ohne Belüftung erkennt man wiederum in Abbildung 2. Dabei ­handelt es sich um eine noch deutlich schadens­anfälligere Version. Denn die ­Hohlräume um die gedämmten Rohrsysteme herum sind vollständig verfüllt.

Diese Ausführung entsteht bei Steigleitungen im Mauerwerk, die mit Mörtel bzw. Putz verschlossen werden. Ebenso kommt es im Fußbodenbereich häufig zu einer Verfüllung der Leitungssysteme mit verschiedenen Baustoffen und anschließend zu einer Überbauung mit Fertigböden.
Dabei werden dann konstruktionsbedingt noch Dampfbremsen in Form von horizontal vollflächig verlegten PE-Folien eingesetzt, welche die Austrocknung der feucht oder oft auch nass eingebrachten Schüttmassen erheblich behindern. In der Folge bleibt ein sehr großer Anteil der eingebrachten Feuchte für lange Zeit im Bereich der gedämmten Leitung.

Wie in Abbildung 2 erkennbar, ist die Rohrtrasse im Fußboden mit einer zementgebundenen Styroporschüttung verfüllt. Die Klimakaltwasserleitungen waren im obigen Schadenfall sechs Monate in Betrieb und in diesem Zeitraum sind durch Korrosion bereits Löcher entstanden.

Wodurch entsteht der Schaden?

Wie bereits erwähnt, benötigt eine Kältedämmung aus synthetischem Kautschuk bei Klimakaltwassersystemen trotz richtig berechneter und montierter Dämmung eine entsprechende Belüftung. Dadurch bleibt die Oberflächentemperatur der Dämmung – bei üblicher Raumtemperatur und Feuchte – oberhalb der Taupunkt-temperatur der Raumluftfeuchte und es entsteht kein Tauwasser.

Die dampfbremsende Wirkung des synthetischen Kautschuks reicht aus, um die Durchfeuchtung des Dämmstoffes für die übliche Nutzungszeit (ca. 15 – 25 Jahre) so zu reduzieren, dass der Dämmstoff ­seine Aufgabe weiterhin erfüllt.

Bei einer vollständigen Verfüllung der ­äußeren Hohlräume einer Klimakaltwasseranlage kann ein Dämmstoff mit praktischer Dampfsperre verwendet werden. ­Alternativ wird der synthetische Kautschuk nach örtlichen Klimabedingungen in seiner Dämmdicke angepasst und zusätzlich mit einer Reinaluminiumfolie mit fachgerechter Verarbeitung umhüllt.

Diese Maßnahmen bieten je nach Objektgegebenheiten nicht immer eine zielführende Lösung. Deshalb ist bei der Planung solcher Systeme zu berücksichtigen, dass die Machbarkeit bzw. die Funktionsfähigkeit des verwendeten Dämmsystems ­gegeben ist. Kurzum: dass eine entsprechende Belüftung des kältegedämmten Systems vorhanden ist.


Autor

Karlheinz Kermann, Öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger und Meister für das Wärme-, Kälte-, Schall und Brandschutzisolierer- Handwerk, TIPCHECK engineer of EiiF.
kk@kermann.de


 

Der Beitrag ist auch in Ausgabe 4.2020 der Fachzeitschrift TI – Technische Isolierung (November 2020) erschienen.

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