RM Rudolf Müller

Schulung im Ausbildungszentrum der Bauinnung Nordschwaben in Nördlingen, 2018 (Foto: Thomas Pitsch)

Betrieb + Ausbildung
04. Juni 2019 | Artikel teilen Artikel teilen

Digitales Aufmaß: Vorteile für die Isoliertechnik

Die richtige Vermaßung ist eine Grundvoraussetzung für eine reibungslose Planung. Wurden Aufmaße in der Vergangenheit gerne noch klassisch mit Stift und Isometriepapier ermittelt, sehen Gegenwart und Zukunft anders aus. Zahlreiche Angebote auf dem Markt werben für die digitale Erfassung der notwendigen Daten – auch für die technische Isolierung. Zu wenig aber, so klagen Branchenkenner, werden die Möglichkeiten von etablierten Betrieben genutzt.

Von Simone Gerotzke.

Wirtschaftlichkeit, Präzision und Kostenkontrolle waren immer schon relevante Parameter für Investoren. Das gilt sowohl für den gemeinen Hochbau als auch für den Großanlagenbau. Auch bei der technischen Isolierung ist das so. Noch immer aber scheuen sich die meisten Handwerksbetriebe, die durchaus nutzerfreundlichen Tools bei der Erstellung eines fachgerechten Aufmaßes anzuwenden. Dabei könnten sie die digitale Transformation als grundlegende Chance erkennen und nutzen, ihre Produktivität und Effizienz zu steigern, neue Märkte zu erschließen und eine verbesserte Positionierung innerhalb der Wertschöpfungskette zu erlangen. „Die meisten mögen ihr Isometriepapier lieber“, bedauern Branchenkenner und stellen fest, dass die Isolierbetriebe die großen Möglichkeiten noch nicht erkannt haben.

Nachhaltigkeit heißt Folgekostenersparnis

Während der Maßaufnahme sendet die Software alle eingetragenen Daten direkt an einen zusätzlichen Computer oder ein Tablet. In Echtzeit erscheinen auf dem Bildschirm Zeichnungen und Modelle aus den erhobenen Datensätzen. Der Fachplaner für Isoliertechnik hat damit die Möglichkeit, alle Projektdetails direkt vor Ort abzurufen, und erhält einen genauen Überblick über Positionen und Materialien. Da die gespeicherten Daten drahtlos übermittelt und synchronisiert werden, ist keine zweite Eintragung der Messdaten nötig. Die Folge dieser Nachhaltigkeit sind große Folgekostenersparnisse. Denn das digitale Aufmaß verhindert automatisch Fehlerquellen, die aus einer weiteren und später erfolgenden manuellen Datenerfassung resultieren könnten.

Effizienter Datenaustausch

Der Datenaustausch spielt im Bauwesen eine besondere Rolle. Wie wichtig seine Aufgabe ist, zeigen die Gründung des Gemeinsamen Ausschusses Elektronik im Bauwesen (GAEB) und der gleichnamige GAEB-Datenaustausch. Der GAEB, der seit 2005 in den Deutschen Vergabe- und Vertragsausschuss für Bauleistungen (DVA) eingegliedert ist, hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Einsatz von Datenverarbeitung im Bauwesen zu fördern. Daher befasst er sich u. a. mit der Erstellung sowie Überarbeitung von Regelwerken für den elektronischen Datenaustausch, dem Aufbau von Leistungsverzeichnissen und den Verfahrensbeschreibungen für die elektronischen Mengen- und Bauarbeiten, immer mit dem Ziel, die Rationalisierung im Bauwesen durch effizientere Methoden zu erreichen. Je nach Softwarelösung ist ein schneller Datentransfer auch durch das digitale Aufmaß möglich. Einige computergestützte Aufmaßsysteme bieten einen kabellosen Datentransfer an und liefern dabei schon die maschinellen Fertigungszeiten sowie die manuelle Produktionsdauer an die Projektplanung. Dadurch hat das Unternehmen einen erhöhten Zeitgewinn und kann projektspezifische Entscheidungen noch schneller treffen.

Unkomplizierte Dokumentation

Abhängig von der Software können verschiedene projektbezogene Berichte erstellt, gedruckt und auch für Dokumentationszwecke im System gespeichert werden. Somit dient das digitale Aufmaß auch der Buchhaltung und verschafft den Mitarbeitern eine komplexe Übersicht zur Leistungsabrechnung. Zudem übernimmt es die Aufgabe eines Datenarchivs. So können die Mitarbeiter auch nach Projektabschluss noch auf alle einzelnen Arbeitsschritte und Datensätze zugreifen. Sollte eine Arbeit erneuert werden müssen, ist das Objekt bereits bekannt, und die Daten können ohne Zusatzleistungen an die Herstellung übermittelt werden.

Digitalisierte Jugend

Ausbildungsstätten der Isoliertechnik haben die Vorteile schon seit einiger Zeit erkannt. Seit letztem Jahr beispielsweise werden dank Bundesmitteln entsprechend den Richtlinien zur Förderung von Digitalisierung in überbetrieblichen Ausbildungsstätten Tablet-Programme zur Erstellung von Rohrleitungsisometrien mit interaktiven 3D-Zeichnungen genutzt. Dabei sind die jugendlichen Azubis mit großer Begeisterung dabei, weil sie – anders als viele ihrer älteren Kollegen – bereits mit den digitalen Möglichkeiten aufwuchsen.

Diese Erkenntnis hat sich auch der Europäische Verband der Isolierer zu eigen gemacht. Auf der Messe „Heat and Power“ im niederländischen sHertogenbosch werden im Oktober 2020 bei den Europameisterschaften der Isolierer auch digitale Kenntnisse abgefragt.

Dimension der Zukunft

Das digitale Aufmaß ist eine wirtschaftliche Innovation im Bauwesen. Sein immenses Potenzial liegt in der Zeitersparnis, die sich von der Maßaufnahme bis hin zur Projektabrechnung immer wieder zeigt. Zudem vermeidet bereits die einfache Bedienung Erfassungsfehler und bietet eine annähernde Plausibilitätskontrolle durch die unmittelbare grafische Darstellung. Somit ist das digitale Aufmaß nicht nur effektiv, sondern auch effizient und wirtschaftlich. Die nächste Generation wird schon heute auf seine Nutzung vorbereitet. Zeit, dass sich auch etablierte Firmen gegen den Vorwurf, „old school“ zu sein, wappnen.


Aufmaßsysteme (Auswahl)

ISOCAL von SWS – www.software-sws.de

ISOCOM von COM-CAD – www.isocom.de

PMS AG – www.elcovision.com

4Master – www.4master.de

Gw-software – www.gw-software.de

Sander & Doll – www.sander-doll.com

Handicraft Handwerker-­Software – www.handicraft.de

Digitale CAD-Aufmaße flexijet – www.flexijet.de

Aufmaß und Abrechnung – www.pds.de

Softtech – www.softtech.de

ISOconnect von Schwartmanns – www.schwartmanns.de


Autorin

Simone Gerotzke: FeuerTrutz Network Redaktion / redaktion.ti@rudolf-mueller.de

Der Beitrag ist in Ausgabe 1.2019 der Fachzeitschrift TI – Technische Isolierung (Mai 2019) erschienen.
Interessieren Sie sich für weitere Artikel? Dann testen Sie die Fachzeitschrift unverbindlich im Probeabo mit zwei kostenlosen Ausgaben!
Nach oben
nach oben