RM Rudolf Müller

(Bild: Gerd Altmann auf Pixabay)

Planung
07. Dezember 2020 | Artikel teilen Artikel teilen

Digitales Bauen: Auf gemeinsamer Basis arbeiten

Im Jahr 2030 könnte das volle Potenzial des Building Information Modeling (BIM) genutzt werden – wenn unter anderem Standards für Bauproduktdaten definiert wären.

Von René Schumann. Wer sich das Thema digitales Bauen in Deutschland im Jahr 2020  anschaut, kann sich eigentlich nur wünschen, dass wir in zehn Jahren deutlich weiter sind. Die traditionell geprägte Bauindustrie steht in puncto Digitalisierung noch am Anfang und das, obwohl es seit mehr als zehn Jahren Unternehmen auf dem deutschen Baumarkt gibt, deren Kerngeschäft Building Information Modeling ist.

Was sollten wir im Jahr 2030 erreicht haben? Zunächst einmal muss es selbstverständlich sein, dass alle Projektbeteiligten vernetzt und interdisziplinär auf einer gemeinsamen Datenbasis arbeiten. Wie diese Zusammenarbeit gestaltet wird, regeln einheitliche Normen und Vorgaben, an denen sich alle orientieren können. Schon die Datenersteller denken nutzerorientiert, sodass die Gebäudeinformationen und Bauproduktdaten auch im Betriebs- und Erhaltungsmanagement zur Verfügung stehen.

Ganz wichtig: Es sind Standards für Bauproduktdaten definiert, denn diese sind die DNA unserer Bauwerke und nur durch ihre Vereinheitlichung können wir digital auch die gleiche Sprache sprechen. Systeme der Künstlichen Intelligenz (KI) nutzen dann die strukturierten digitalen Daten und helfen beispielsweise beim Einsparen von CO2, bei der effektiven Nutzung von Gebäudeflächen sowie der Optimierung von Laufwegen und Besucherströmen in öffentlichen Gebäuden. Gebäude sind in Smart-City-Konzepte eingebunden und verbessern die Sicherheit und Lebensqualität in unseren Städten. Mit anderen Worten: Im Jahr 2030 nutzen wir endlich das volle BIM-Potenzial.

Datensilos müssen aufgelöst werden

Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg, der aber in zehn Jahren zu schaffen ist. Aktuell hapert es noch an den grundsätzlichen Voraussetzungen. Weil Normen fehlen, haben viele Bauherren, Architekten, Planer und Bauunternehmen unterschiedliche Strategien entwickelt, wie sie in die Digitalisierung einsteigen wollen.

Das muss sich grundlegend ändern. Für die Digitalisierung sind nicht nur die IT, sondern auch die Arbeitsweisen, die Strukturen in Projekten sowie die Ausbildung von Mitarbeitern entscheidend. Der Wandel kann nur gelingen, wenn wir Datensilos auflösen, miteinander vernetzen und zukünftige Projekte interdisziplinär angehen. Dabei behindern heute noch rechtliche und behördliche Einschränkungen neue Ideen und digitale Prozesse.

Gerade im deutschen Hochbau benötigen wir zukünftig große Auftraggeber als Vorbilder und Führungsorganisationen. Allen voran sind hier der Bund, die Länder und die Kommunen gefragt. Der Stufenplan für Deutschland, auf dessen Basis im Infrastruktursektor BIM bereits 2020 verbindlich ist, muss auch im Hochbau schnell umgesetzt werden. Es braucht ein klares digitales Konzept für öffentlich finanzierte Projekte. In diesem ist nicht nur der Umgang mit 3D-Modellen zu beschreiben, sondern ganzheitlich die digitale Bearbeitungsweise von Bauprojekten und der Umgang mit digitalen Bauwerksinformationen im Betrieb zu regeln.

Nur so gelingt ein zügiger Umstieg und auch kleinere Architektur- und Bauunternehmen haben die Möglichkeit den digitalen Wandel zu vollziehen. Ausbildungszentren gewinnen dadurch einen klaren Überblick, welche Anforderungen benötigt werden und können zukünftige Generationen gezielter ausbilden. Machen wir weiter wie bisher, mindert das letztlich auch die Motivation junger Menschen, ihre Karriere innerhalb der Bauindustrie zu beginnen. Dabei brauchen wir dringend diese Generation, die digitale Fähigkeiten und Methoden bereits in ihrer Ausbildung erlernt hat und wichtige Impulse auf allen Ebenen setzen kann.


Autor

René Schumann: Geschäftsführer von Hochtief Vicon

Der Beitrag ist auch in Ausgabe 4.2020 der Fachzeitschrift TI – Technische Isolierung (November 2020) erschienen.

Interessieren Sie sich für weitere Artikel?
Dann testen Sie die Fachzeitschrift unverbindlich im Probeabo mit zwei kostenlosen Ausgaben!

Digitale Ausgabe lesen?
Die komplette Ausgabe gibt es auch als pdf zum kostenlosen Download

 


 

Interview zum Arbeiten mit BIM: Die Gewerkegrenzen überwinden

Beim Arbeiten mit BIM hilft es, Aufgaben in Module zu zerlegen. Um diese Arbeitsweise und Hürden beim digitalen Bauen geht...

mehr »
 

Building Information Modeling: So verändert BIM die Prozesse

Seit einigen Jahren ist Building Information Modeling (BIM) in aller Munde. Vor allem bei Großprojekten gilt es als Wundermittel gegen...

mehr »
 

BIM scheitert noch am Datenfluss

Die Digitalisierung des Bauwesens steht faktisch noch am Anfang, denn die Schnittstellenproblematik bei der Planung ist immer noch sehr hoch....

mehr »

Nach oben
nach oben