In Sachen Digitalisierung kommt die Baubranche laut einer PwC-Studie im Vergleich zum Vorjahr kaum voran. (Quelle: Headway/unsplash.com)
In Sachen Digitalisierung kommt die Baubranche laut einer PwC-Studie im Vergleich zum Vorjahr kaum voran. (Quelle: Headway/unsplash.com)

Branchen-News

10. December 2021 | Teilen auf:

Digitalisierung in der Bauindustrie verläuft schleppend

Laut einer PwC-Umfrage kommen Bauunternehmen gut durch die Pandemie. In Sachen Digitalisierung zeigen sich allerdings kaum Fortschritte.
 

Die Bauindustrie ist trotz Corona-Krise auf gutem Kurs: Wie eine Befragung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC Deutschland unter 100 Bauunternehmen, Planern und Projektsteuerern zeigt, berichten drei von vier Unternehmen aus der Branche, dass ihre Geschäftsaktivitäten nur wenig oder gar nicht von COVID-19 betroffen seien. Die Hoffnung, dass die Pandemie für einen Digitalisierungsschub sorgt, hat sich allerdings nicht bestätigt: Noch immer besteht eine große Lücke zwischen den Potenzialen, die Bauunternehmen in digitalen Lösungen wie Cloud-Technologien sehen, und den eigenen Fähigkeiten in diesem Bereich. Auch in Sachen Nachhaltigkeit besteht laut der PwC-Studie Aufholbedarf. Viele Bauunternehmen haben zwar die Relevanz von Aspekten wie Umwelt, Soziales und guter Unternehmensführung (ESG) erkannt. Die Anforderungen von Kunden und Regulatoren haben sie jedoch vielfach noch nicht im Blick.

„Die Bauindustrie ist bisher relativ glimpflich durch die Krise gekommen und musste kaum Einbrüche in Kauf nehmen – die Auftragsbücher sind gut gefüllt und die Lage stabil. Allerdings hat die Corona-Pandemie dennoch ihre Spuren hinterlassen: So haben viele Unternehmen der Baubranche aktuell mit Problemen in der Lieferkette zu kämpfen“, kommentiert Rebekka Berbner, Partnerin bei PwC Deutschland im Bereich Capital Projects & Infrastructure. Rund neun von zehn Befragten klagen in der Umfrage über Verzögerungen in der Lieferkette und die Verfügbarkeit von Rohstoffen.

Digitalisierungs-Boost bleibt aus

Der Digitalisierungsschub, den viele Branchenkenner erwartet hatten, ist in der Bauindustrie bislang ausgeblieben. Zwar sind sich die Befragten einig, dass die Digitalisierung viele Chancen bietet. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Diskrepanz zwischen den Potenzialen und den Fähigkeiten jedoch nur bei zwei von sieben digitalen Lösungen verkleinert. Häufig fehlt im Unternehmen die dafür nötige Expertise und die unternehmensinterne Akzeptanz. Knapp die Hälfte der Befragten (47 %) attestiert dem eigenen Unternehmen einen hohen Digitalisierungsgrad. Mit Blick auf die administrativen Prozesse wie Finanzen oder HR und die Projektprozesse – etwa zur Planung und Kalkulation – sehen sogar rund sechs von zehn Unternehmen einen hohen Digitalisierungsgrad.

Anders sieht es im Bereich digitaler Lösungen wie Cloud-Technologien aus: Hier sehen zwar 81 % hohes Potenzial, aber nur 44 % bescheinigen sich einen hohen Digitalisierungsgrad. Diese Lücke zeigte sich bereits bei einer ähnlichen Untersuchung durch PwC im Vorjahr.

Fachkräftemangel als Hemmnis für digitale Lösungen

Die größte Herausforderung für die Nutzung digitaler Lösung sehen vier von fünf Unternehmen im fachlichen Know-how ihrer Mitarbeitenden bzw. dem Fachkräftemangel (81 %). Zusätzlich stellen die interne Akzeptanz und die Cyber-Sicherheit für 78 bzw. 76 % der Befragten eine Hürde dar. Der Druck auf die Bauindustrie, digitale Lösungen umzusetzen, könnte demnächst auch vermehrt von außen kommen: Noch berichtet zwar nur ein Drittel der Befragten, dass digitale Lösungen in Vergabeverfahren stark nachgefragt werden. Hier scheint sich aber etwas zu bewegen: Im Vorjahr beobachteten nur 12 % der Bauunternehmen eine starke Nachfrage nach digitalen Lösungen in Vergabeverfahren. In der aktuellen Umfrage sind es 20 % mehr.

Nachhaltigkeit wird wichtiger

Auch beim Thema Nachhaltigkeit, zu der digitale Lösungen einen wichtigen Beitrag leisten können, tut sich etwas: Zwei Drittel der Befragten (68 %) sehen Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung (ESG) als relevant für die Branche an. Auf die Anforderungen der Kunden und Regulatoren rund um diese Aspekte sind viele Unternehmen jedoch noch nicht vorbereitet: Fast jede/r Zweite sieht mit Blick auf die ESG-Anforderungen der Kunden (45 %) – etwa zur CO2-Neutralität – und Regulatoren (34 %) – etwa mit Blick auf die EU-Taxonomie oder das Lieferkettengesetz – noch Nachholbedarf. Besser vorbereitet sind die Unternehmen auf die Anforderungen der eigenen Mitarbeitenden, etwa rund um die Arbeitsbedingungen oder die Sicherheit. Hier sehen sich 85 % gut aufgestellt.

Die vollständige Studie kann auf der PwC-Webseite abgerufen werden.

PricewaterhouseCoopers GmbH
www.pwc.de

zuletzt editiert am 10.12.2021