RM Rudolf Müller
Gekonnt sparen mit der EiiF-App

Für Investoren, Betreiber und Planer ein Traum: Beim Dämmen sparen. (Bild: N. Fleischmann)

Markt + Produkte
19. Dezember 2019 | Artikel teilen Artikel teilen

Gekonnt sparen mit der EiiF-App

Die European Industrial Insulation Foundation (EiiF) hat im Oktober mit der TBI-App eine ganz einfach zu bedienende Anwendung für Smartphones und Tablets auf den Markt gebracht: Die „Dämm-App“ ermöglicht eine schnelle Abschätzung von Einsparpotenzialen technischer Dämmungen.

Von Andreas Gürtler. Die europäische Industrie verschwendet jährlich rund 172.000 GWh Energie. Das entspricht in etwa dem Jahresenergiebedarf von 10 Millionen Haushalten und produziert vermeidbare 49 Mt CO2.  Diese entsprechen den jährlichen Emissionen von 18 Millionen Mittelklasseautos (Ecofys, 2012). Und das trotz Klimawandel und hohem Wettbewerbsdruck. Kaum zu glauben, aber leider indus­trielle Realität.

Nachhaltigkeit bei der Dämmung – Fehlanzeige

Das Problem: Das Einsparpotenzial ist nicht bekannt und Dämmung weit davon entfernt, als energieeffiziente Querschnittstechnologie eingesetzt zu werden. Dabei rechnet sich das energieeffiziente und wirtschaftliche Auslegen von Dämmungen insbesondere in der Industrie mit extremen Temperaturen von unter -160 °C bis über 600 °C für alle: Der Anlagenbetreiber profitiert von reduzierten Produktionskosten und kurzen Paybackzeiten von durchschnittlich zwei Jahren, die Dämmbranche freut sich über hochwertige Aufträge und das Klima über die eingesparte Energie und die reduzierten CO2 Emissionen.

Genau hier setzt die jetzt veröffentlichte TBI-App an. Mit ihrer Hilfe kann das attraktive Einsparpotenzial technischer Dämmungen schnell und für jedermann sichtbar und nachvollziehbar gemacht werden. Bedienen kann sie jeder, der sich die TBI-App entweder auf sein Android oder Apple Handy oder Tablet herunterlädt.

Gekonnt sparen mit der EiiF-App

Abb. 2: Dem aktuellen Verbrauch wird das Einsparpotenzial gegenübergestellt (Bild: EiiF)

Ergebnisse zeigt eine Grafik

In wenigen Schritten nach Eingabe von nur sieben Standardinformationen wie zum Beispiel Mediumtemperatur, Umgebungstemperatur, Laufzeit, Rohr- oder Armaturdurchmesser ermittelt die TBI-App per Klick, wie viel Energie und CO2 eingespart werden könnte, würde die untersuchte Komponente mit einer Standard- oder guten Dämmung isoliert. Die Ergebnisse werden anschaulich in einer Grafik (s. Abb. 2) und für alle untersuchten Komponenten zusammenfassend in einer Tabelle (s. Abb. 3) dargestellt. Hat eine Komponente zusätzlich noch weitere Mängel wie beispielsweise eine zu hohe Oberflächentemperatur oder gar ein Leck, dann kann das ebenfalls mit Bild und Kurzbeschreibung dokumentiert werden.

Gekonnt sparen mit der EiiF-App

Abb.3: TBI-Report (Beispiel) (Bild: EiiF)

Für Einsteiger und Profis gibt es verschiedene Versionen

Die TBI-App gibt es in zwei Versionen: Die kostenfreie TBI-App Easy kann vollumfängliche Reportings für eine Komponente erstellen. Sie ist geeignet für jeden, der die App grundsätzlich testen möchte und für die, die sie nur sehr selten und für die Untersuchung weniger Bauteile nutzen wollen.

Die PRO Version wendet sich hingegen an den professionellen Nutzer: Den Isolierer, Energie- und Instandhaltungsmanager und deren Teams. Mit ihr können mehrere Projekte und so viele Komponenten wie gewünscht untersucht werden. Die einzelnen Reportings können zudem von verschiedenen Mitarbeitern erstellt werden. Es kann zwischen Dämmung, Sicherheit, Instandhaltung und anderen Projekten gewählt werden.

Praktisch hier: Die Pro Version bietet jedem Nutzer die Integration seines eigenen Logos und seiner Kontaktdaten. Diese werden vollautomatisch auf die Titelseite und Kontaktseite des TBI-Reports (PDF) gedruckt, der unter anderem für die ISO 50001 Zertifizierung genutzt werden kann. Dies dürfte besonders interessant für Dämmfirmen und außerdem auch für die Betriebe sein, die eine jährliche ISO 50001 Zertifizierung für ihr Energiemanagement benötigen. Sie können den mit der App generierten PDF-Report direkt als Energieaudit-Beleg einreichen. Das mitunter sehr zeitintensive Zusammenstellen von Dokumentationen entfällt für das Dämm-Audit, egal ob der TBI-Nutzer nun der Rahmenvertragspartner und Isolierer oder der Betreiber selbst ist.

Gerade den vielen kleineren und mittelständischen Unternehmen dürfte die Schnelligkeit und Einfachheit des Dämm-Energieaudits mithilfe der App willkommen sein.

So kann noch am Tag des Energieaudits der sofort verfügbare Report mit sämtlichen ­Ergebnissen der Untersuchung präsentiert, besprochen und ausgedruckt werden. Im besten Falle (Beispiele dafür gibt es bereits) lassen sich sogar noch vor Ort mit dem ­Kunden schon erste Budgetfragen ­klären und der Isolierer geht nach ­Hause mit dem konkreten Auftrag, ein Angebot für die ­Beseitigung der analysierten ­Mängel und Eindämmung der Energieverluste zu machen.

Die App hilft – schreibt aber keine Lösungen vor

Denn wenn die App auch viel kann, die jeweiligen Dämmlösungen kann und soll sie auch gar nicht vorgeben. Dafür braucht es nach wie vor einen entsprechend qualifizierten und erfahrenen Dämmexperten. Der Vorteil ist aber, dass sowohl der Betreiber als auch der Isolierer bereits wissen, mit welchen Einsparungen durch die Dämmmaßnahmen zu rechnen ist. Sind das zum Beispiel 100.000 EUR eingesparte Energiekosten durch die neue Dämmung, dann könnte der Kunde bei einer einfachen Amortisationszeit von zwei Jahren rund 200.000 EUR investieren.

Die Hoffnung ist, dass es mit diesem Tool gelungen ist, ein „digitales Werkzeug“ zu entwickeln, dass gleichermaßen die Bedürfnisse von Anlagenbetreibern und Dämmfirmen bedienen kann. An der Entwicklung beteiligt waren neben dem EiiF Team insbesondere auch die Mitglieder des EiiF Vorstandes und Leitungsgremiums und einige der besten Senior TIPCHECK Engineers. Zusätzlich wurden zahlreiche Interviews und Vor-Ort-Tests in Industrieanlagen durchgeführt. Insbesondere das Feedback und die Anregungen von verantwortlichen Produktions-, Prozess- und Energiemanagern und die ersten Einsätze Vor-Ort haben einen großen Anteil daran, dass die App praxis­tauglich und für jedermann einfach zu bedienen ist.

www.eiif.org/tbi


Autor

Andreas Gürtler: Stiftungsdirektor EiiF mit Sitz in Gland bei Genf, Schweiz
andreas.guertler@eiif.org

 
Der Beitrag ist auch in Ausgabe 3.2019 der Fachzeitschrift TI – Technische Isolierung (November 2019) erschienen.

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