RM Rudolf Müller

Abb. 1: Schematische Darstellung der polygonen Anordnung von Schallabsorbern in der Standzarge. (Bild: G+H)

Planung
03. August 2020 | Artikel teilen Artikel teilen

Gezielte Schallschutz-Maßnahmen an Reaktorkolonne

In einem Gutachten einer großtechnischen Anlage im Großraum Frankfurt wurde die Reduktion des Schallpegels von 30 dB gefordert. Es gelang mit einer komplexen technischen Schallschutz-Maßnahme.

Von Andreas Kilb. Als Hauptverursacher der Lärmbelästigung wurde in der vorliegenden Expertise neben diversen 16 bar Dampfleitungen, Ventilen und Kompressoren eine ca. 50 m hohe ­Reaktorkolonne identifiziert. Das Problem der erhöhten Lärmabstrahlung durch die Reaktorkolonne ließ sich in drei Hauptschallquellen gliedern.

Neben dem Eingang der Brüdenleitung wurde die Lärmbelastung im Kolonnenmantelbereich in der Höhe zwischen 5 bis 14 m sowie von der Standzarge verursacht. Für alle drei Bereiche wurde ein Konzept aus Einzelmaßnahmen entwickelt. Im Bereich der Einführung der Brüdenleitung wurde eine Schallschutzkapsel an die Reaktorkolonne montiert.

Zur Minderung der zweiten Hauptlärmquelle demontierten die Schallschutzexperten die Wärmeisolierung des unteren Kolonnenmantels und ersetzten sie durch eine speziell angepasste Kombination aus thermischer und schalltechnischer Isolierung. Hierzu verwendeten sie eine körperschallentkoppelte Unterkonstruktion.

Der Blechmantel der Isolierung wurde mit besonderen Antidröhnmatten ausgekleidet. Während die thermischen Isoliereigenschaften unverändert erhalten blieben, konnte das akustische Einfügungsdämpfungsmaß auf bis zu 35 dB angehoben werden.


Glossar

  • Reaktorkolonne: Isoliertes zylindrisches Rohr aus Spezialstahl zur thermischen Trennung von Gemischen, wobei die Gas- und Flüssigphase des Mediums gleichmäßig über den gesamten Querschnitt verteilt ist.
  • Brüdenleitung: Leitung, die die mit Wasserdampf gesättigte Luft in die Kolonne einführt. Dieses Medium dient als Energiezufuhr zur Verdampfung des Kolonnengemischs.
  • Standzarge: Fußbereich, auf dem die Kolonne steht, hier komplett umschlossen und durch ein Mannloch zugänglich.

Für das geforderte Niveau waren mehrere Schritte notwendig

Um den Schallpegel der Standzarge auf das geforderte Niveau zu senken waren mehrere Schritte nötig.
Zunächst erhielt die Standzarge eine äußere Schallschutzisolierung und das bis ­dahin ­offene Mannloch wurde mit einer verschließbaren Klappe ausgerüstet. An der Innenseite wurden die Wände der Standzarge mit speziellen und polygon angeordneten Schall­absorbern verkleidet (siehe Abb. 1). Nach Abschluss der Fachplanungen und ­arbeiten, konnte die gutachterlich ­geforderte ­Senkung des Gesamtpegels eingehalten werden (s. Abb. 2).

Abb. 2: Darstellung der Schallleistungsverbesserung vor und nach der Spezialdämmung. (Quelle: G+H)


Autor

Andreas Kilb: Projektleiter SI-M-F G+H Schallschutz GmbH
Andreas.Kilb@guh-gruppe.de

Der Beitrag ist auch in Ausgabe 2.2020 der Fachzeitschrift TI – Technische Isolierung (Mai 2020) erschienen.

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