Abb. 1: R90 Rohrabhängung mit fehlender Rohrachshängung (Bild: Karlheinz Kermann)
Abb. 1: R90 Rohrabhängung mit fehlender Rohrachshängung (Bild: Karlheinz Kermann)

Der gemeine Bauschaden

09. November 2020 | Teilen auf:

Häufiger Fehler bei Brandwand-Durchführungen

Die Ausführung von Brandabschottungen der gebäudetechnischen Gewerke durch Bauteile wird häufig im Gewerk der technischen Dämmung ausgeschrieben. Dies ist aus Sicht des Autors sehr sinnvoll, da aus diesem Gewerk, wenn die VOB als Vertragsgrundlage verwendet wird, in der entsprechenden ATV DIN 18421 unter 1.1 Geltungsbereich auch die Abrechnung von Brandschutzarbeiten geregelt ist. Hier sind entsprechende Vorgaben, wie die verschiedenen Brandschutzarbeiten ausgeschrieben und abgerechnet werden müssen. Diese Vorgaben können natürlich auch für andere Vertragsarten verwendet werden.

Bei dem Einbau der gebäudetechnischen Anlagen und deren Brandabschottungen sind mindestens zwei Gewerke und damit meistens auch zwei verschiedene Firmen am System tätig.

Aus dieser Konstellation ergeben sich häufig bei fehlender Abstimmung der beteiligten Gewerke Probleme mit der Ausführung von Brandabschottungen, die nicht entsprechend ihrem Verwendbarkeitsnachweis eingebaut werden. Dadurch können im Brandfall unter Umständen erhebliche „Bauschäden“ entstehen.

Für die ordnungsgemäße Ausführung der Brandabschottungen müssen vom Anlagenbauer schon bei der Montage der Rohrsysteme bzw. Elektroleitungen einige Aspekte für den späteren Einbau der Brandabschottungen beachtet werden. Dazu gehören unter anderem die entsprechenden Größen der Bauteilöffnungen und die Abstände unter gleichen bzw. auch zu anderen Gewerken. Ein sehr häufig auftretender Fehler ist die Befestigung der Rohrleitungen aller Medien bzw. auch aller Varianten der Elektrokabelverlegung.

Die beste Brandabschottung kann ihren Zweck bei beidseitig fehlenden Befestigungen des Bauteils mit Feuerwiderstand nicht erfüllen. Im Brandfall kommt es zu Verformungen, Längendehnungen und Lösen der Anlagen, wodurch die Brandabschottung beschädigt wird und dann nicht mehr rauchgasdicht ist, noch den geforderten Feuerwiderstand erfüllt.

In der Tätigkeit des Autors als Gutachter ist dies der häufigste Mangel an gebäudetechnischen Brandabschottungen.

Warum? Weil:

Der Anlagenbauer selbst keine Schottungen ausführt, der Anlagenbauer das später verwendete Brandabschottungssystem nicht kennt, es keine Absprachen unter den Gewerken stattfinden, der Anlagenbauer vor Ort die Bauteile mit Feuerwiderstandsdauer nicht kennt, die Detailplanung häufig den Obermonteuren vor Ort überlassen wird

Möglichkeiten der Fehlervermeidung

Der Erfahrung des Autors nach gibt es mindestens drei Möglichkeiten der Fehlervermeidung:

In der Planung entsprechende Systeme festlegen (durchaus mit Absprache einer ausführenden Firma). Bei öffentlichen Ausschreibungen dürfen keine Produkte vorgegeben werden. Hier sollte nach Vergabe die Firma, welche die Brandabschottungen ausführt, ihr System angeben und auf die für den Anlagenbauer wichtigen Details hinweisen. Die Brandschutzpläne des Brandschutzkonzeptes sollten auf der Baustelle, am besten z.B. im Treppenhaus, in lesbarer Größe für alle Handwerker sichtbar angebracht werden.

Autor

Karlheinz Kermann: Öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger und Meister für das Wärme-, Kälte-, Schall- und Brandschutzisolierer-Handwerk, TIPCHECK engineer of EiiF.
kk@kermann.de

Der Beitrag ist auch in Ausgabe 3.2020 der Fachzeitschrift TI – Technische Isolierung (August 2020) erschienen.
zuletzt editiert am 15.09.2021