Abb. 1: Wärmeflussmesser nach E. Schmidt (1923) (Quelle: FIW München)
Abb. 1: Wärmeflussmesser nach E. Schmidt (1923) (Quelle: FIW München)

Im Profil

20. December 2021 | Teilen auf:

Im Profil – Teil 2: Forschungsinstitut für Wärmeschutz e. V. München – das „FIW München“

In dieser Rubrik stellen wir Ihnen in regelmäßiger Folge Verbände, Organisationen, Hochschulen und andere Institutionen aus der Isolierbranche vor.

Sieben Isoliermittelhersteller gründeten auf Anregung von Max Grünzweig (Grünzweig & Hartmann GmbH) das „Forschungsheimfür Wärmewirtschaft München“– am 1. Oktober 1918 konnte es seine Tätigkeit aufnehmen. Im Jahre 1923 entwickelteder damalige wissenschaftliche Leiter Prof. Dr.-Ing. E. Schmidt den nach ihm benannten Wärmeflussmesser (siehe Abb. 1). Die Aufgabe des Forschungsheimes war, aufstreng objektiv-wissenschaftlicher Grundlage die praktische Verbesserung der Energieausnutzung voranzutreiben. Bis heute, mehr als 100 Jahre danach, arbeiten ca. 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an dieser nach wie vor gültigen Zielsetzung. Das FIW München hat als Innovationstreiber eine führende Rolle in der Neu- und Weiterentwicklung von Methoden auf dem Gebiet der Energieeffizienz sowohl im Gebäude als auch in der industriellen Anwendung übernommen. Der Satzungszweck des eingetragenen Vereins wird insbesondere verwirklicht durch:

  • Verbreitung dieser Erkenntnisse
  • Wärmetechnische Prüfungen von Bau- undWärmedämmstoffen und damit hergestelltenKonstruktionen (praktischen Ausführungen)
  • Zusammenarbeit mit wärmewirtschaftlichenVerbänden, technischen Vereinenund wissenschaftlichen Instituten
  • Mitarbeit in der nationalen und internationalenNormungsarbeit
Abb. 2: Zertifizierungsprogramme des FIW München (Quelle: FIW München)

Die Zertifizierungsstelle imFIW München

Die Europäische Kommission hat die Voraussetzungenfür einen harmonisierten Marktgeschaffen, in dem Bauprodukte frei gehandeltwerden. Durch die Veröffentlichung der harmonisierten Produktnormen für Dämmstoffeim Amtsblatt der Europäischen Unionwar die Grundlage für deren CE-Kennzeichnung geschaffen. Die Umsetzung des CEZeichensals „Reisepass“ in Europa wurde für die Dämmstoffe im Gebäude im Jahr 2002und für technische Dämmstoffe 10 Jahrespäter verpflichtend in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union eingeführt. Das nunmehr einzig zulässige CE-Zeichen hat für Bauprodukte die Voraussetzung für einen europäischen Wirtschaftsraum ohne Handelshemmnisse geschaffen. Durch den Prozess der harmonisierten Produktnormenin Europa haben sich die Aufgabender Zertifizierungsstelle des FIW Münchenvon den Anforderungen der nationalenLandesbauordnungen hin zu einer Zertifizierungsstelle nach EU-Bauproduktenverordnung verschoben. Da sich die nationalen Bauaufsichtsbehörden in diesem Bereich zurückziehen und das CE Zeichenkein Qualitätszeichen, sondern nur eine Genehmigung zur harmonisierten Vermarktung der Produkte darstellt, muss die Lücke durch freiwillige Qualitätssicherungssysteme geschlossen werden. Die durch das Europäische Komitee für Normung (CEN/CENELEC) initiierte KEYMARK-Zertifizierung stellt gerade für Dämmstoffe eine anerkannte Fremdüberwachung und ein europäisches Qualitätszeichen dar. Eigene freiwillige Zertifizierungsprogramme des FIW München vervollständigendas Angebot zur Sicherung der Qualität von Dämmstoffen (siehe Abb. 2).

Prüfung und Überwachung

Für das FIW München war durch die harmonisierten Dämmstoffnormen der Weg nach Europa vorgezeichnet. Das Institut konnte Schritt für Schritt die nötigen Voraussetzungen schaffen, um für Dämmstoffe unter dereuropäischen Bauproduktenverordnung als anerkannte und notifizierte Prüfstelle tätigzu sein. Das FIW München ist heute nationalund europäisch („notified body“) anerkannt sowie akkreditiert als Prüflabor nach EN ISO/IEC 17025. Die besondere Kompetenz zeigt die führende Mitarbeit bei der„Laboratory Group“ für das freiwillige europäische Zertifizierungssystem (VDI/KEYMARK), bei der sich die registrierten Laboregegenseitig auditieren und durch Rundversuchein der Messgenauigkeit bestätigen. In der Abteilung „Technische Dämmungen“wird u.a. die Leistung von technischen Dämmstoffen durch Prüfungen nach den harmonisierten Dämmstoffnormen EN 14303 – 14309, EN 14313, EN 14314geprüft. Die Abteilung „Dämmstoffe imBauwesen“ prüft u.a. die Leistung von Dämmstoffen durch Prüfungen nachEN 13162 – EN 13171.

Folgende Prüfungen werden im FIWMünchen durchgeführt:

  • Wärmeleitfähigkeit von Dämmstoffen imebenen Zustand im Temperaturbereich von –170 °C bis +800 °C
  • Wärmeleitfähigkeit von Rohrdämmstoffen und Rohrdämmsystemen im Temperaturbereich –100 °C (Hot-Box-Rohr-Verfahren) bzw. –70 °C (EN ISO 8497) bis +350 °C Mitteltemperatur
  • Dimensionsstabilität/Formbeständigkeit
  • Verhalten bei höheren Temperaturen
  • Messungen des Wärmedurchgangs und des Temperaturfeldes mit genormten und speziellen Mess- und Prüfeinrichtungen
  • Brandverhalten und Schwelen/Glimmen von Baustoffen
  • Mechanische Eigenschaften
  • Hygrische Eigenschaften und Verhalten bei Frost
  • Sonstige Eigenschaften
  • Abnahmemessungen vor Ort
Abb. 3 und 4: Die FIW-Laboreinrichtung ist immer auf dem Stand der Technik, sowohl früher (1923) als auch heute. (Quelle: FIW München)

Im Institut sind Prüfapparaturen gemäß den wichtigsten europäischen Prüfstandards, ASTM Normen und ISO Vorgabenvorhanden und werden kontinuierlich auf den neuesten technischen Stand gebracht (siehe Abb. 3 und 4).

Richtlinien zum Wärmeschutz von betriebstechnischen Anlagen

In Anlehnung an die Gedankengänge eines auf der Hauptversammlung des Forschungsheimes für Wärmeschutz e.V. im Dezember 1926 gehaltenen Vortrages von K. Henckyhat der Vorstand des Vereins Deutscher Ingenieure(VDI) einen Ausschuss zur Schaffungvon Regeln für die Prüfung von Wärme und Kälteschutzanlagen gebildet. Dieses Gremium war der Vorgänger des heutigen Fachausschusses „Wärme- und Kälteschutz“ der VDI Fachgesellschaft Energie und Umwelt (GEU). Die damals niedergeschriebenen Regeln bilden die Grundlage für die aktuelle VDI Richtlinie 2055 „Wärme- und Kälteschutzvon betriebstechnischen Anlagen“. Im Jahre 1980 wurde die Arbeitsgemeinschaft „VDI AG Gütesicherung“ initiiert, deren Ziel es war, ein freiwilliges Fremdüberwachungssystem für technische Dämmstoffe zu entwickeln. Zur Sicherung einer gleichbleibenden Qualität der Dämmstoffe ist eine vom Hersteller in Eigenverantwortung vorzunehmende Qualitätskontrolle (Eigenüberwachung) und eine von neutralen Prüfinstitutendurchzuführende stichprobenartige Qualitätsprüfung (Fremdüberwachung) erforderlich. So formulierte die VDI 2055 „Wärme- und Kälteschutz für betriebs- und haustechnische Anlagen“ in der Ausgabe von 1982 den Güteschutzgedanken. Die Vorteile der Endverbraucher liegen in der Einhaltung einer technischen Funktionsfähigkeit sowie der garantierten wirtschaftlichen Effizienz. Dem Hersteller des Dämmstoffes gibt die Gütesicherung die erforderliche Sicherheit zur Einhaltung seiner Angaben und das Recht einer entsprechenden Warenkennzeichnung. Es entsteht eine neue Qualität des Wettbewerbes durch vergleichbare Produkteigenschaften. Viele Betreiber von betriebstechnischen Anlagen fordern seit dieser Zeit in ihren Spezifikationen für Dämmarbeiten verpflichtend gütegesicherte Dämmstoffe zu verwenden. Parallel dazu wurde bei der Arbeitsgemeinschaft Industriebau e.V. (AGI) ein Arbeitskreis gegründet, der sogenannte Arbeitsblätter für Planung, Ausschreibung und Ausführung von Bauleistungen im Gewerk der Wärme- und Kältedämmarbeiten an betriebstechnischen Anlageteilen erarbeitet. Die VDI-AG Gütesicherung ist ein fester Bestandteil dieser Arbeitsblätter. Seit der Gründung des Institutes begleitet das FIW München mit Experten diese zentralen Ausschüsse der technischen Dämmtechnik häufig in leitender Funktion.

Forschung und Entwicklung 

In der Abteilung „Forschung und Entwicklung“ werden alle Forschungstätigkeiten des Instituts gebündelt. Thematisch haben sich dabei in den letzten Jahren zwei Schwerpunkte der Projektarbeit und Forschungstätigkeit herausgebildet: Einerseits wird die Entwicklung und Verbesserung von Dämm- und Baustoffen sowie Bauteilen und Dämmkonstruktionen hinsichtlich ihrer wärme- und feuchtetechnischen Eigenschaften untersucht – schon seit über 100 Jahren ein klassisches Betätigungsfeld des FIW München in der angewandten Forschung. Andererseits werden immer häufiger Projekte und Fragestellungen zur Energieeinsparung im Gebäudebestand, zur Nachhaltigkeit von Materialien und Bauausführungen, und zur Problematik der „Grauen Energie“ in Gebäuden und Anlagen betrachtet.

Das FIW München heute

Seit seiner Gründung war das erklärte Ziel des Forschungsheims die Verbesserung des Wärmeschutzes auf Basis wissenschaftlicher Standards.  Das FIW München begleitet seit Jahrzehnten in führender Rolle die nationale und internationale Normung. Das Forschungsinstitut für Wärmeschutz e.V. München ist heute ein modernes Kompetenzzentrum für alle Fragen des Wärme- und Kälteschutzes. FIW steht für Forschung im Wärmeschutz und FIW steht für Kooperation zwischen Indus­trie und Wissenschaft im Zusammenhang mit der Qualitätssicherung für Dämmstoffe aller Art auf nationaler und europäischer Ebene. Als Prüf-, Überwachungs- und Zertifizierungsstelle für Dämmstoffe, als Forschungsinstitut und als „notified body“ nach der EU-Bauproduktenverordnung ist das FIW München für die Branche des Wärme- und Kälteschutzes bei Gebäuden und in der Industrie ein kompetenter Partner.

zuletzt editiert am 21.12.2021