RM Rudolf Müller

Seit dem 1. Juli 2021 sind Mike Westermann (l.) und Marcel Schwartmanns Geschäftsführer der Schwartmanns Maschinenbau GmbH. (Alle Bilder: Redaktion TI Technische Isolierung)

Branche + Markt
13. Oktober 2021 | Artikel teilen Artikel teilen

Aufmaß: Interview mit Schwartmanns Maschinenbau

Seit Juli 2021 sind Marcel Schwartmanns und Mike Westermann die Geschäftsführer der Schwartmanns Maschinenbau GmbH. Ihr Ziel: Das Familienunternehmen von einem klassischen Maschinenbauhersteller zu einem Lösungsanbieter mit Digitalkompetenz zu entwickeln. Wir haben mit ihnen über ihren Werdegang, aktuelle Herausforderungen und Zukunftsperspektiven gesprochen.

 

Marcel und Mike, herzlichen Glückwunsch zur neuen Aufgabe als Geschäftsführer. Wie fühlt ihr euch in dieser Rolle?

Marcel Schwartmanns: Tatsächlich gar nicht so viel anders als vorher. Mein Vater, Horst Schwartmanns, hat sich bereits vor vier Jahren sehr stark aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und uns viele Aufgaben übertragen. Noch ist er ebenfalls Geschäftsführer, möchte aber möglichst bald ausscheiden. Deswegen ist die neue Situation eigentlich gar nicht so neu für uns. Aber der Titel ist natürlich ein anderer.

Ihr seid Cousins, euer Großvater hat das Unternehmen 1964 gegründet. War euch immer klar, dass ihr Schwartmanns Maschinenbau weiterführen wollt?

Marcel: Sehr viele Familienunternehmen werden nicht weitergeführt. Unsere Großeltern haben so viel Kraft und Lebenszeit in Schwartmanns Maschinenbau gesteckt und mein Vater letztendlich auch. Ich wusste früh: Das kannst du nicht irgendwen anders machen lassen. Wir waren schon als Kinder ständig hier. Als wir älter wurden, haben wir die halben Ferien in der Firma verbracht und angefangen, im Betrieb mitzuhelfen.
Mike Westermann: Stimmt, wenn man das dritte Paar Fußballschuhe in kurzer Zeit wollte, hieß es: Kein Problem, komm in den Ferien zum Arbeiten. Aber um auf die Frage zurückzukommen: Als Kind wollte ich immer sein wie mein Opa oder mein Onkel. Beide waren für mich Vorbilder und Macher. Was dahintersteht, wusste ich natürlich nicht, das kam erst mit der Zeit. Mit jedem Mal, wo man hier war, hat man die Leute noch besser kennengelernt und den Geruch von Metall gerochen. Nach der Schule war mir klar, dass ich in das Unternehmen einsteigen will.

Bei Schwartmanns ist alles „Made in Wesseling“: Die Teile der Maschinen werden vor Ort produziert und zusammengebaut.

Wie habt ihr den Einstieg gefunden?

Marcel: Ich habe hier die Ausbildung zum Industrie-Mechatroniker gemacht. Da wir so gut wie alles selber herstellen, vereinen wir alle Bereiche eines Handwerks- und Indus­trieunternehmens. Deshalb habe ich viel gelernt. Danach wollte ich erst mal zwei Jahre Berufserfahrung sammeln, um mich weiterzuentwickeln. Im Anschluss habe ich den technischen Betriebswirt und den Meister drangehängt. Und dann kam irgendwann Mike ins Unternehmen…
Mike: Wir sind uns bezüglich der Aufgabenverteilung nie in die Quere gekommen. Als die Frage im Raum stand, wie ich mich einbringe, kam der Rat von meiner Mutter, Claudia Westermann, und meinem Onkel Horst, dass ich doch etwas mit Elektrotechnik machen könnte. Marcel war zu dem Zeitpunkt schon fünf Jahre im Betrieb. Die Idee meiner Mutter und meines Onkels war mehr oder weniger: Wenn du Elektrotechnik lernst, haben wir mit Marcel einen Mechatroniker und mit dir einen Elektrotechniker. Ich habe dann ein triales Studium gemacht und den praktischen Teil hier absolviert. Als ich mit der Ausbildung fertig war, haben Marcel und ich angefangen, zusammenzuarbeiten. Das betriebswirtschaftliche Wissen haben wir uns nebenher angeeignet.

Und dann seid ihr direkt mit in die Führung eingestiegen?

Mike: Als ich nach der Ausbildung richtig hier angefangen habe, hieß es von meinem Onkel: Schön, ich ziehe mich ab morgen zurück, ihr macht das schon. Wir wurden also ins kalte Wasser geworfen. Das war nicht einfach, aber rückblickend haben wir das super hinbekommen. Insgeheim war das wahrscheinlich das Ziel meines Onkels.

„Unser Ziel ist es, Schwartmanns Maschinenbau noch an unsere Kinder übergeben zu können“

 

Ihr wirkt sehr harmonisch. Aber es ist ­sicher auch nicht immer einfach, mit der Familie zusammenzuarbeiten?

Mike: Für mich gibt‘s nichts Schöneres! Ich freue mich, wenn mein Cousin Erfolg hat und tue von meiner Seite alles, um ihn dabei zu unterstützen. In anderen Unternehmen tut man Dinge sicher eher für sich, damit man Zeit und Geld für die Familie hat. Aber meine Familie ist ja schon hier. Deswegen tut es nicht weh, mal Überstunden zu machen. Vielleicht ist man auch ein bisschen offener oder spart sich was, weil man weiß, wie der andere tickt. Man kann sich voll vertrauen.
Marcel: Natürlich haben wir auch mal Differenzen. Das ist normal. Aber man versöhnt sich immer gleich wieder. Das Positive überwiegt ganz klar die negativen Aspekte.
Mike: Dass wir Differenzen schnell aus der Welt schaffen, liegt auch daran, dass wir die gleiche Vision haben. Unser Ziel ist es, Schwartmanns Maschinenbau noch an unsere Kinder übergeben zu können. Das klappt nicht, wenn wir am reinen Bau von Blechbearbeitungsmaschinen festhalten. In 30 Jahren machen wir vielleicht was völlig anderes.

Was könnte das zum Beispiel sein?

Marcel: Maschinenbau wird immer unser Kerngeschäft bleiben. Aber wir wollen uns breiter aufstellen und Lösungsanbieter sein. Das heißt, dass der Kunde von uns nicht nur Maschinen bekommen kann, sondern Technologien für den gesamten Arbeitsprozess eines Isolierers – beim Auftrag angefangen, über das Aufmaß und die Zeichnung, die in die Werkstatt muss und auf der Maschine umgesetzt wird. Danach muss das produzierte Material zurück zum Kunden. Diesen Prozess wollen wir vollständig abbilden.
Mike: Im Bereich Softwarelösungen sind wir heute schon sehr stark. Seitdem wir im Unternehmen sind, ist das digitale Prozessdenken in den Vordergrund gerückt. Wir wollen den Kunden und seine Bedürfnisse noch mehr in den Fokus stellen. Dazu gehören Maschinen und Software, aber auch ein erstklassiger Service. Wir haben in den letzten Jahren einige Leute eingestellt, die im Bereich Innovation und Entwicklung tätig sind. Das bezieht sich insbesondere auf unsere Laseranlage, die bald auf den Markt kommt. Der Laser wird das mechanische Schneidverfahren ergänzen.

Die neuen Schneidemaschinen von Schwartmanns laufen softwarebasiert. Ab Ende diesen Jahres wird eine innovative Laserschneideanlage das Sortiment ergänzen.

Was unterscheidet das neue Produkt von anderen Maschinen?

Marcel: Durch das berührungslose Schneiden des Lasers ist nicht nur eine weitaus höhere Teilevielfalt möglich, auch die Performance und Genauigkeit befinden sich auf einem höheren Niveau. Für uns als kleines Unternehmen ist es ein riesiger Schritt, so eine Maschine von der ersten Schraube an selber zu kon­struieren und weltweit zu verkaufen.
Mike: Solche Laserlösungen gibt es natürlich schon auf dem Markt. Aber die Art, wie wir damit in den Markt starten werden, ist neu. Dazu will ich aktuell noch nicht zu viel verraten. Letztendlich geht es hier aber auch um Nachhaltigkeit im Sinne der Ressourcenschonung. Dank des neuen Verfahrens lässt sich viel Material sparen, weil die Maschine sehr präzise lasern kann. Was außerdem noch wichtig ist: Die neue Maschine ist zwar ein großes Projekt für uns. Aber wir wollen auch die kleineren Betriebe nicht aus dem Blick verlieren. Für sie haben wir speziell die Uni-Cut entwickelt, die noch klassisch schneidet, aber dennoch digital angebunden werden kann.

Die softwarebasierten Maschinen sind ein Schritt auf dem Weg, ein Lösungsanbieter zu werden. Was gehört noch dazu?

Marcel: Bereits 2014 haben wir begonnen, für einen namhaften Kunden in den Niederlanden eine digitale Aufmaßlösung zu entwickeln. Inzwischen sind weitere Ländergesellschaften dieses international tätigen Konzerns gefolgt. Auch viele kleinere Isolierer setzen inzwischen auf Aufmaßlösungen von Schwartmanns.

Sie wollen die Betriebe also auch dabei unterstützen, digitaler zu werden?

Marcel: Viele Isolierer machen heute noch Aufmaße mit der Hand und schicken sie per Fax in die Werkstatt oder ins Büro. Wenn es per WhatsApp geht, ist das schon ziemlich digital. Im schlechtesten Fall werden die Bleche mit der Hand geschnitten, im besten Fall schon mit einer Maschine. Dieser Prozess dauert lange und ist fehleranfällig. isoconnect kann man z.B. übers Tablet bedienen, hier steht eine Teilebibliothek zur Verfügung. Durch eine einfache, schnelle Auswahl kann man sich Formteile in 3D anschauen und bemaßen und anschließend digital in die Werkstatt schicken. Hier kann man sich die Teile nicht nur in 3D anschauen, sondern es gibt auch eine Produktionsliste, den Lieferschein etc. Und die Informationen werden an die Maschine übermittelt, die die Teile verarbeitet. Daran angeschlossen werden kann unser neuer isodot, der Leitungen in jeder Höhe und Länge messen kann. Dadurch braucht man keine Leiter und spart viel Zeit. Und die Arbeit ist auch hier deutlich genauer.

Wie kommen solche digitalen Lösungen bei euren Kunden an?

Marcel: Es gibt immer noch die, die sich der Digitalisierung verschließen. Ich habe schon Schulungen gehalten, da saßen Leute, die noch nie am Computer gearbeitet haben. Aber man muss auch sagen: Wenn diejenigen das Ganze erstmal ausprobieren, sind sie irgendwann doch überzeugt, dass die Maschine ihnen Arbeit abnimmt – Arbeit, die ihnen vielleicht auch gar nicht so viel Spaß macht. Und mit der Maschine macht es dann vielleicht sogar Spaß.

Junge Menschen kann man damit doch bestimmt auch begeistern?

Marcel: Auf jeden Fall. Daher fangen wir schon in den Ausbildungsstätten an. Natürlich ist es immer noch wichtig, junge Isolierer in vielen Bereichen traditionell auszubilden. Aber man muss auch zukunftsorientiert denken. Die Azubis müssen die Abwicklung mit Maschinen lernen. Fakt ist: In den meisten Betrieben steht heute eine digitale Zuschneidanlage. Dann gibt‘s doch nichts besseres, als wenn die Azubis das schon früh draufhaben.

Angenommen, wir treffen uns in 10 Jahren wieder. Wie sieht es dann hier aus?

Mike: Hoffentlich sind unsere Räumlichkeiten noch einmal deutlich größer. Wir wollen wachsen. Nebenan gibt es ein unbebautes Grundstück. Vielleicht können wir das mal ankaufen. Wir sind hier fest verwurzelt, daher kommt kein anderer Standort in Frage.
Der Wunsch nach Wachstum betrifft aber nicht nur die Fläche und die Zahl der Angestellten – wir haben in den letzten zwei Jahren viele neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt. Wir wollen auch in neuen Lösungen, Märkten und Technologien wachsen. Mein Cousin und ich sind da sehr, sehr offen. In künstlicher Intelligenz sehen wir keine Gefahr, sondern wollen überlegen, wie wir das für uns nutzbar machen können. Natürlich haben wir keine Millionenbudgets für Forschung. Aber wir überlegen, wie wir im Kleinen schnellstmöglich etwas umsetzen können, was sinnvoll ist.
Marcel: …und was dem Kunden hilft!

Wohin wird sich die Isolierbranche aus eurer Sicht entwickeln?

Mike: Technische Isolierung ist ein hochinteressantes Gebiet, wo viel passiert, insbesondere hinsichtlich der Energieeffizienz. Deswegen finde ich es großartig, dass wir Teil der Branche sind und dazu etwas beitragen.
Marcel: Wir haben eine Situation, in der keiner weiß, ob wir den Klimawandel umkehren können. Aber die Branche entwickelt Maßnahmen bzw. setzt diese um, um CO₂ einzusparen. Natürlich gibt es, was die Relevanz von Energieeffizienzmaßnahmen betrifft, weltweit große Unterschiede. Aber isoliert wird grundsätzlich überall. Es gibt kaum ein Land, in dem keine Maschine von uns steht. Und letztendlich geht es ja auch um viel Geld. Wenn Anlagenbetreiber realisieren, wie viel sie durch technische Isolierung sparen, sind sie häufig schnell überzeugt.

Welche politischen und gesellschaftlichen Prozesse nehmen hier Einfluss?

Mike: Für mich steht das Thema Umweltschutz im Vordergrund. Hier geht’s aber nicht nur um Energieeffizienz, sondern auch darum, unseren Planeten insgesamt zu schützen. Wir haben nur den einen und den können wir nicht unendlich ausbeuten. Entweder schränken wir uns ein – hier hat der Mensch in der Vergangenheit bewiesen, dass er das nicht gut kann – oder wir entwickeln Technologien, die uns dabei helfen. Was uns als Unternehmen betrifft, würde ich mir wünschen, dass wir mehr Möglichkeiten bekommen, effizienter zu wirtschaften. Wir, also die Unternehmen, sind schließlich immer noch diejenigen, die die Wirtschaft in einem Land ankurbeln. Unternehmertum muss gefördert werden. Und hier muss auch ganz stark in Bildung investiert werden.
Marcel: In der EU gibt es bereits viele Förderprojekte, mit denen man z.B. neue Maschinen kaufen bzw. Lösungen entwickeln kann. Aber es wäre gut, wenn es solche staatlichen Förderungen auch über die EU hinaus geben würde. Davon profitiert letztendlich auch der Planet.

„Ich bin sehr froh, zwei so kompetente Nachfolger zu haben, die auch noch aus der Familie kommen. Mein Vater hat es damals nur in den Anfängen mitbekommen. Aber wenn er jetzt hier wäre, würde er mit Sicherheit vor Stolz platzen!“ Claudia Westermann, Mitinhaberin Schwartmanns Maschinenbau GmbH

Kommen wir noch mal auf eure neue Position. Viele Angestellte sind lange dabei. War es für einige schwer, sich mit einer jungen Führung bzw. dem unternehmerischen Richtungswechsel zu arrangieren?

Marcel: Respektvolles Miteinander ist keine Frage des Alters. Unser Team sieht, dass wir Leidenschaft und alle Voraussetzungen mitbringen, um ein erfolgreiches Unternehmen zu führen. Wir tun alles, um unsere Mitarbeiter für unsere Vision zu begeistern und Veränderungen gemeinsam zu leben. Deswegen gibt es niemanden, der nicht davon überzeugt ist. Jahrelang ist wenig passiert,
deswegen unterstützen alle, dass es jetzt in großen Schritten vorangeht.
Mike: Da stimme ich zu. Ohne unser Team würde gar nichts laufen. Jeder trägt ein fast gleichwertiges Stück zum Erfolg bei. Das sehen wir und das leben wir.
Marcel: Auch während Corona haben hier alle sehr gut zusammengehalten. Wir wurden zwei Mal die Woche getestet – Home Office geht natürlich kaum. Dann steht die Produktion still. Zum Testen kann man keinen zwingen. Aber wenn man flache Hierarchien hat, dann nimmt man die Leute mit. Deswegen sind wir auch vergleichsweise gut durch die Pandemie gekommen.

Mike und Marcel, danke für das Gespräch!

Das Interview führte Maike Walter.

Nach oben
nach oben