RM Rudolf Müller
BIM hilft dem Isolierer bei seiner Arbeit.

BIM hilft dem Isolierer bei seiner Arbeit. (Bild: BFT Cognos)

Planung
10. Oktober 2019 | Artikel teilen Artikel teilen

Kommentar: Zur Notwendigkeit von BIM für den Technischen Isolierer

Komplexe Planungsprozesse mithilfe des Building Information Modeling (BIM) durchzuführen bietet große Möglichkeiten. Doch noch wird diese Planungshilfe von dem Gewerk der Technischen Isolierung nicht angemessen genutzt.

Von Manfred Lippe. Alle streben danach, die digitale Welt in ihr Arbeitsumfeld einzubinden und Anwendungsmöglichkeiten zu schaffen, selbst die Bundesregierung, die im Juni dieses Jahres auf Initiative des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur und in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat das nationale BIM-Kompetenzzentrum ins Leben rief.

Als Planer und Sachverständiger habe ich schon in einigen Projekten mit BIM zu tun. Entgegen der einhelligen Meinung aber bin ich der Auffassung, dass BIM derzeit noch nicht die Lösung auf der Baustelle sein kann. Denn die Softwarepakete sind nur so intelligent wie die Menschen, die davor sitzen und die Produkte eingeben. Es ist schön, wenn komplexe Planungen EDV-mäßig erfasst werden können, aber zurzeit glaube ich noch nicht daran. Jeder verlässt sich auf seine BIM-Eingaben und vernachlässigt gegebenenfalls andere Gewerke. Denn wenn der Planer heute den falschen Dämmstoff eingibt, dann ist es schon passiert – einfach, weil BIM diesen Fehler derzeit noch nicht merkt und damit eine Kettenreaktion an Fehlern entstehen kann.

BIM-Prozesskartenbeispiel

BIM-Prozesskartenbeispiel (Quelle: Marion Wiese)

Die Lösung: Der Raumstempel schlägt die Produkte vor

Klug wäre folgende Lösung: Der Raumstempel des Planers sagt dem BIM-Modell und damit dem Planer automatisch, welche Produkte gemäß den vorhandenen Richtlinien, Gesetzen, DIN-Normen oder AGIs eingesetzt werden können. Dabei wäre es sinnig, wenn ein Spektrum an Möglichkeiten durchgerechnet und die beste Variante als Lösung angeboten würde. Das setzt allerdings voraus, dass das BIM-System alle aktuellen Daten aus dem Dämmstoffmarkt zur Verfügung hat und darauf zugreifen kann. Derzeit ist das noch nicht der Fall. Aber so könnte es aussehen.

Denn zurzeit wird oftmals nur der Handwerker von Anfang an mit in das Projekt reingenommen, und so ersetzt dieser durch seine Tätigkeit den Fachplaner. Damit haftet der Handwerker allerdings auch im vollen Umfang für eventuelle Mängel innerhalb der Planung – einfach, weil er sie umgesetzt hat. Das ist ein großes Übel. Bei den großen Unternehmen passiert das nicht. Da muss der Handwerker nur die Planung prüfen und bei fehlenden Dingen oder Mängeln in der Planung Bedenken anmelden. Diese Lösung ist angemessen.

BIM für den Technischen Isolierer wird ein Muss werden

Mittelfristig sind allerdings auch alle Vertreter der Technischen Isolierung gut beraten, sich stärker mit BIM auseinanderzusetzen, damit die Kommunikation zwischen TGAlern oder Architekten und Isoliertechnikern reibungsloser verläuft. Andernfalls haben die ausführenden Unternehmen der technischen Isolierer kaum noch eine Chance, an Großaufträge zu kommen. Denn in den großen Projekten wird schon heute bevorzugt mit BIM gearbeitet.

So wird es automatisch dazugehören, dass man als Ausführender mit dem System umgehen kann. So muss der Handwerker in der Isoliertechnik zukünftig in der Lage sein, die vollständigen Informationen aus komplexen Planungsdaten für seine Arbeit herauszuziehen, weil es durchgängige Prozesse sein werden, die papierlos verlaufen. Dementsprechend ist derjenige, der auch zukünftig an größeren Projekten teilnehmen möchte, darauf angewiesen, sich weiter fortzubilden und sich mit BIM zu beschäftigen.

Der Fachplaner sollte also bereits in der Phase der Entwurfsplanung mit eingeschaltet werden. Bei Großprojekten passiert das ja bereits, bei Umbauten und kleineren Projekten jedoch noch nicht.


Autor

Dipl.-Ing. Manfred Lippe: Öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für den baulichen sowie anlagentechnischen Brandschutz und für das Installateur- und Heizungsbauerhandwerk, Mitglied der Ingenieurkammer Bau Nordrhein-Westfalen, Beratender Ingenieur, div. Veröffentlichungen, Geschäftsführer der ML Sachverständigen GmbH, Krefeld
Manfred.Lippe@MLPartner.de


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Der Beitrag ist auch in Ausgabe 2.2019 der Fachzeitschrift TI – Technische Isolierung (August 2019) erschienen.

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