RM Rudolf Müller

Der gemeine Bauschaden
07. Mai 2020 | Artikel teilen Artikel teilen

Korrosionsschaden bei Drahtnetzmatten

Der gemeine Bauschaden: Korrosionsschaden bei Drahtnetzmatten

Abb. 1: Beispiel Kontaktkorrosion (Bild: K.-H. Kermann)

Die Entstehung von Kontaktkorrosion durch Berührung unterschiedlicher Metalle bei entsprechender Feuchtigkeit im Dämmsystem und elektrochemischen Vorgänge werden im Aufbau bzw. in der Ausführung von Dämmsystemen immer wieder unterschätzt.

Mein Beispiel zeigt eine Wärmedämmung mit Steinwolle-Drahtnetzmatten mit verzinktem Drahtgeflecht und Aluminium-Blech-Ummantelung. Bei diesem Dämmsystem wurden die Drahtnetzmatten vor ihrer Montage im Außenbereich gelagert und nicht sorgfältig genug vor der Witterung geschützt. Dadurch wurde ein entsprechender Teil der gelagerten Steinwolle-Drahtnetzmatten durchfeuchtet. Die in diesem Dämmsystem verwendeten Stützringe hätten die gleiche Aufbauhöhe wie die Nenndämmdicke der Drahtnetzmatten. Das heißt, dass die Eigenschaft der Drahtnetzmatten bei allen Herstellern nach dem Öffnen der Verpackung ca. 10–20 mm mehr Dämmdicke aufweisen als die Nenndicke, diese wurde hier nicht berücksichtigt.

Dieser Umstand erschwert die Montage des Blechmantels und führt dazu, dass das Drahtgeflecht an den äußeren Blechmantel gepresst wird.

Dies führt zu dem wie in Abb. 1 erkennbaren Korrosionsschäden am verzinkten Drahtgeflecht der Steinwolle-Drahtnetzmatten.

Der Korrosionsvorgang ist gleichzeitig auch auf den Aluminiumblechen der Ummantelung festzustellen, siehe Abb. 2.

Der gemeine Bauschaden: Korrosionsschaden bei Drahtnetzmatten

Abb. 2: Korrosionsschaden am Mantel (Bild: K.-H. Kermann)

Mögliche Auswirkungen:
In der DIN 4140 werden in der Tabelle 2 „Kontaktkorrosion bei Metallpaarungen“ entsprechende Hinweise über die Verträglichkeit der verschiedenen Werkstoffe angegeben. In dem von mir gezeigten Beispiel ist die Zinkschicht des Drahtgeflechtes der betrachtete Werkstoff und der Aluminiumblechmantel der Partnerwerkstoff. Für diese Kombination gilt in der Tabelle 2 der DIN 4140 die Definition „mäßige Korrosion“.

Wird dieses Wärmedämmsystem im Innenbereich erstellt, das heißt, es wird keine weitere Feuchtigkeit in das System eingebracht, trocknet die Dämmung abhängig von der Mediumtemperatur und der Nutzungszeit entsprechend aus und der Schaden beschränkt sich auf das korrodierte verzinkte Drahtgeflecht.

Dieser wird die Funktion der Wärmedämmung nicht beeinträchtigen, erst am Ende der Nutzung wird beim Rückbau des Dämmsystems durch die fehlende Versteppung ein erhöhter Aufwand entstehen.

Lösungsvorschlag:

  • Mit der Verwendung von Drahtnetzmatten mit austenitischem Drahtgeflecht. Hier steht in der Tabelle 2 der DIN 4140 bei betrachtetem Werkstoff austenitischer Stahl mit Aluminium als Partnerwerkstoff, dass in dieser Kombination keine, beziehungsweise geringe Korrosion entstehen kann.
  • Einbau einer isolierenden Zwischenschicht zum Beispiel Noppenfolie.
  • Aufbau des Dämmsystems mit entsprechendem Abstand zwischen Dämmschicht und Ummantelung. Durch entsprechende Stützringe mit mindestens 20 mm Abstand zwischen Dämmung und Ummantelung. Dadurch wird auch die Montage der Ummantelung deutlich erleichtert.

Für die ersten drei Punkte gilt natürlich die Vermeidung des Feuchtigkeitseintritts in den Dämmstoff, da das Wasser als Elektrolyt wirkt und durch den Unterschied des elektro-chemischen Potentials den Korrosionsprozess erst möglich macht.

Grundsätzlich hat Feuchtigkeit im Dämmstoff unerwünschte Folgen (siehe Q152) =

  • Korrosion im Dämmsystem
  • Erhöhung der Wärmeleitfähigkeit
  • Erzeugung von stofflichen Änderungen

Autor

Karlheinz Kermann: Öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger und Meister für das Wärme-, Kälte-, Schall- und Brandschutzisolierer-Handwerk, TIPCHECK engineer of EiiF.
kk@kermann.de

 Der Beitrag ist auch in Ausgabe 1.2020 der Fachzeitschrift TI – Technische Isolierung (Februar 2020) erschienen.

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