Branchen-News

23. June 2021 | Teilen auf:

Materialmangel auf dem Bau: Was bedeutet das für die Branche?

Rohstoffknappheit, steigende Preise, unterbrochene Lieferketten: Auf vielen ­Baustellen geht es derzeit schleppend voran. Laut einer Umfrage des ifo-Instituts hatten im Mai rund 44 % der Firmen, die im ­Hochbau tätig sind, Probleme, Baustoffe zu beschaffen. Im April waren es noch 24 %, im März 5,6 %. Auch die Isolierbranche ist z.T. ­betroffen. Wir haben nachgefragt, welche Auswirkungen die aktuelle Lage hat.

„Die Regisol AG sieht sich auf dem schweizerischen Isoliermarkt mit steigenden Preisen konfrontiert, die beinahe täglich von in- wie auch ausländischen Lieferanten und Herstellern gemeldet werden. Deshalb empfehlen wir unseren Kunden für die kommenden Monate keine Festpreise zu vereinbaren und die Angebotsgültigkeit entsprechend anzupassen. Auch sind wir vermehrt mit längeren Lieferzeiten konfrontiert. Wo möglich schaffen wir mit erhöhten Lagerbeständen Abhilfe. Eine vorausschauende Planung ist in dieser hektischen Zeit besonders wichtig. Wir empfehlen unseren ­Kunden, möglichst rasch und im Voraus die Materialbedürfnisse mit unserem Regisol Außendienst zu besprechen. Wir müssen heute davon ausgehen, dass sich die generelle Situation in den nächsten Monaten noch verschärfen wird. Unser Motto für diese schwierige Zeit: Mit guter Planung und aktiver Kommunikation meistern wir gemeinsam die aktuelle Situation.“
Roberto Gianola, CEO Regisol AG, Busswil, Schweiz

Die Auswirkungen der Pandemie sind im Bausektor deutlicher zu spüren als im letzten Jahr. Auch wenn die Isover- Werke mit Hochdruck arbeiten, werden die Produktionskapazitäten aufgrund der überdurchschnittlichen Nachfrage an Dämmstoffen voll ausgelastet. Die bedingt durch Corona entstandene Knappheit verschiedener Rohstoffe auf dem Weltmarkt treibt die Nachfrage nach Mineralwolle-Dämmstoffen zusätzlich an und führt zudem zu deutlichen Kostensteigerungen bei den Rohstoff-Einkäufen. Das Isover-Team hat sich auf die Situation bestmöglich eingestellt: Wir stehen mit unseren Partnerhändlern im Austausch und werden diese im Rahmen der Möglichkeiten kontinuierlich beliefern. Hinsichtlich der Versorgung mit unseren Produkten empfehlen wir, den Kontakt zu den langjährigen Handelspartnern zu suchen. Wir arbeiten auch in für alle schwierigen Zeiten intensiv weiter an unserem gemeinsamen Ziel: #Für eine besser gedämmte Welt.“
Dr. Mara Terzoli, Marketing Leiterin ISOVER & RIGIPS

„Uns als Fachgroßhandel ereilen permanent neue Informationen zu verlängerten Lieferzeiten und Preisanpassungen seitens der Industrie, was Prognosen für die kommenden Monate schwierig macht. Wir haben an allen TDH Standorten die Lagerbestände deutlich erhöht, um weiter zuverlässige Lieferungen zu gewährleisten. In dieser schwierigen Marktsituation ist der permanente Informationsaustausch mit Kunden und Lieferanten stärker denn je erforderlich. Nur so ist ein sofortiges Reagieren bei eventuellen Lieferengpässen möglich. Nichtsdestotrotz können wir es leider nicht ausschließen, dass in einigen Produktbereichen kurzfristig eine Verknappung stattfindet. Falls notwendig, bieten wir unseren Kunden einen Materialwechsel an. Es gibt auch immer wieder Fälle, bei denen konkret mit dem entsprechenden Industriepartner eine auf das jeweilige Projekt bezogene Kompromisslösung gefunden werden muss. Wir tun alles, um die Versorgung unserer Kunden zu sichern, auch wenn dies aktuell in einem schwierigen Umfeld geschieht. Unsere Hoffnung als TDH Gruppe ist es, alsbald zu einem normalen Liefer- und Preisniveau zurückzukehren. Wir informieren unsere Kunden permanent über ­Preisentwicklungen. Alle anstehenden Preiserhöhungen seitens der Industrie findet man zusätzlich auf unserer Internetseite. An unserem ­Produktionsstandort HSMC konnten wir alle notwendigen Rohstoffe rechtzeitig beschaffen, sodass es bei unseren Eigenmarken zu keinerlei Lieferengpässen kommt. In diesem Jahr tätigen wir zusätzlich kräftige Investitionen, um unsere Produktionsanlagen zu optimieren.“
Udo Beinenz, Geschäftsführer TDH Koblenz GmbH

„Seit dem 2. Halbjahr 2020 führen die schnelle Erholung des chinesischen Marktes und die Investitionsprogramme der USA neben den davor auch in Europa durchgeführten Produktionsreduktionen zu einer drastischen Veränderung der Produktströme auf dem Weltmarkt. Und damit entstand eine temporäre Unterversorgung in Europa, d.h. eine Verknappung bestimmter Materialien, und damit einhergehend eine nie zuvor gesehenen Preissteigerung innerhalb kurzer Zeit. So hat sich der Stahlpreis Stand Mai um +150 % seit Juli 2020 und ebenso der chemische Grundstoff MDI (Basis für expandiertes Polystyrol EPS) um mehr als +140 % innerhalb von 12 Monaten verteuert. Knappheit und Preissteigerung bei den chemisch basierten Dämmstoffen führt in Folge zu einer Marktverschiebung, hin zu den besser verfügbaren mineralischen Dämmstoffen, sodass auch hier Preissteigerungen von 15-25 % seit Mitte 2020 zu verzeichnen sind. Die Auswirkungen für die Isolierbranche sind europaweit spürbar. Auftragskalkulationen mit deutlicher Unterdeckung auf der Materialseite, Beschäftigungseinschränkung aufgrund von Materialknappheit und Vertragsrisiken aufgrund verspäteter Bauausführung sind die unmittelbare Folge. Experten rechnen spätestens im 1.Halbjahr 2022 mit einer Beruhigung der Situation und damit, bei normalisierter Verfügbarkeit, mit deutlich sinkenden Preisen.“
Dr. Rudolf K. Jürcke, Präsident FESI

„Versorgungsengpässe auf den Rohstoffmärkten, Ausfälle in den globalen Lieferketten sowie pandemiebedingte Logistikprobleme haben in den vergangenen Monaten zu einem erheblichen Anstieg unserer Rohstoff- und Betriebskosten geführt. Um die Kostensteigerungen abzufedern, sehen wir uns gezwungen, einen Material- und Betriebskostenzuschlag zu erheben. Dieser Aufschlag von derzeit 7,3 % gilt für unser gesamtes Produktsortiment inklusive Zubehörartikeln. Obschon die Situation auf dem internationalen Rohstoffmarkt schwierig ist, werden wir alles daransetzen, unseren Geschäftspartnern die bestmögliche Service- und Lieferqualität zu gewährleisten. Gemeinsam mit unseren Partnern in Handel und Handwerk werden wir diese herausfordernden Zeiten meistern und weiter gestärkt aus dieser pandemiebedingten Krise heraustreten.“
Malte Witt, Armacell Vice President EMEA & Chief Marketing Officer

Der Beitrag ist auch in Ausgabe 2.2021 der Fachzeitschrift TI – Technische Isolierung (Juni) erschienen. Interessieren Sie sich für weitere Artikel? Dann testen Sie die Fachzeitschrift unverbindlich im Probeabo mit zwei kostenlosen Ausgaben!

zuletzt editiert am 26.10.2021