RM Rudolf Müller

Branche + Markt
23. Juni 2021 | Artikel teilen Artikel teilen

Materialmangel auf dem Bau: Was bedeutet das für die Branche?

Rohstoffknappheit, steigende Preise, unterbrochene Lieferketten: Auf vielen ­Baustellen geht es derzeit schleppend voran. Laut einer Umfrage des ifo-Instituts hatten im Mai rund 44 % der Firmen, die im ­Hochbau tätig sind, Probleme, Baustoffe zu beschaffen. Im April waren es noch 24 %, im März 5,6 %. Auch die Isolierbranche ist z.T. ­betroffen. Wir haben nachgefragt, welche Auswirkungen die aktuelle Lage hat.

„Auch für uns ist die aktuelle Preisentwicklung auf dem Metallmarkt eine Herausforderung. Glücklicherweise sind wir durch strategische Partnerschaften weiter in begrenztem Umfang lieferfähig. Trotz der angespannten ­Situation ­bemühen wir uns, für unsere Kunden schnelle und flexible Lösungen zu finden. In den letzten Wochen haben wir ­immer wieder festgestellt, dass auch mit geringeren Mengen teure Ausfallzeiten bei unseren Kunden vermieden ­werden konnten. Im Bereich Befestigungstechnik sind wir nahezu voll lieferfähig, aber auch hier ist mit weiteren Preiser­höhungen zu rechnen. Unserer Einschätzung nach wird die Materialknappheit ähnlich wie bei Stahlprodukten bei ­Edelstahl- und Aluminiumprodukten im Laufe des Jahres noch dramatischer. Unsere Aufgabe wird es sein, auch unter diesen beson­deren Bedingungen wirtschaftliche Lösungen für alle Marktteilnehmer zu finden.“
Daniel Tacke, Geschäftsführer Tacke + Lindemann

 

„Das WKSB-Isoliererhandwerk ist von Lieferschwierigkeiten der Rohstoffe massiv betroffen. Nach Rücksprache mit den Mitgliedsbetrieben der Bauinnung Nordschwaben sind verschiedene Bereiche betroffen. Beispielsweise wird für die Herstellung von Styrodur und Styropor wird Styrol benötigt. Styrol ist ein Abfallprodukt in der Kersosinherstellung. Aufgrund des stark eingeschränkten Flugverkehres während der Pandemie wurde wesentlich weniger Kerosin produziert. Ein weiteres Problem ist die dadurch gestiegene Nachfrage nach Mineralwolle im Hochbau. Aufgrund der eingeschränkte Verfügbarkeit von Styropor/Styrodur wird mehr Mineralwolle im Hochbau nachgefragt. Dadurch wird dieser Rohstoff für die technische Dämmung knapp. Außerdem hat sich der Preis für Bleche hat sich nahezu verdoppelt. Dies ist mit der allgemein erhöhten Nachfrage zu erklären. Viele Betriebe fragen aktuell mehr nach als benötigt wird – Stichwort Klopapiereffekt.“
Christoph Schweyer, Geschäftsführer Bauinnung Nordschwaben

 

“The price increases on commodities came extremely quickly, but we want to set our prices, so we do not exactly take ­advantage of the situation. Throughout the years, our price increases have been moderate and well-founded based on market value and production costs. Now the situation in certain segments is that you can set the prices as you want, but that is not Rockwool‘s style. We want to be a stable partner.“
Jens Birgersson, CEO Rockwool Intl A/S

 

 

 

„Die Regisol AG sieht sich auf dem schweizerischen Isoliermarkt mit steigenden Preisen konfrontiert, die beinahe täglich von in- wie auch ausländischen Lieferanten und Herstellern gemeldet werden. Deshalb empfehlen wir unseren Kunden für die kommenden Monate keine Festpreise zu vereinbaren und die Angebotsgültigkeit entsprechend anzupassen. Auch sind wir vermehrt mit längeren Lieferzeiten konfrontiert. Wo möglich schaffen wir mit erhöhten Lagerbeständen Abhilfe. Eine vorausschauende Planung ist in dieser hektischen Zeit besonders wichtig. Wir empfehlen unseren ­Kunden, möglichst rasch und im Voraus die Materialbedürfnisse mit unserem Regisol Außendienst zu besprechen. Wir müssen heute davon ausgehen, dass sich die generelle Situation in den nächsten Monaten noch verschärfen wird. Unser Motto für diese schwierige Zeit: Mit guter Planung und aktiver Kommunikation meistern wir gemeinsam die aktuelle Situation.“
Roberto Gianola, CEO Regisol AG, Busswil, Schweiz

 

Die Auswirkungen der Pandemie sind im Bausektor deutlicher zu spüren als im letzten Jahr. Auch wenn die Isover- Werke mit Hochdruck arbeiten, werden die Produktionskapazitäten aufgrund der überdurchschnittlichen Nachfrage an Dämmstoffen voll ausgelastet. Die bedingt durch Corona entstandene Knappheit verschiedener Rohstoffe auf dem Weltmarkt treibt die Nachfrage nach Mineralwolle-Dämmstoffen zusätzlich an und führt zudem zu deutlichen Kostensteigerungen bei den Rohstoff-Einkäufen. Das Isover-Team hat sich auf die Situation bestmöglich eingestellt: Wir stehen mit unseren Partnerhändlern im Austausch und werden diese im Rahmen der Möglichkeiten kontinuierlich beliefern. Hinsichtlich der Versorgung mit unseren Produkten empfehlen wir, den Kontakt zu den langjährigen Handelspartnern zu suchen. Wir arbeiten auch in für alle schwierigen Zeiten intensiv weiter an unserem gemeinsamen Ziel: #Für eine besser gedämmte Welt.“
Dr. Mara Terzoli, Marketing Leiterin ISOVER & RIGIPS

 

„Uns als Fachgroßhandel ereilen permanent neue Informationen zu verlängerten Lieferzeiten und Preisanpassungen seitens der Industrie, was Prognosen für die kommenden Monate schwierig macht. Wir haben an allen TDH Standorten die Lagerbestände deutlich erhöht, um weiter zuverlässige Lieferungen zu gewährleisten. In dieser schwierigen Marktsituation ist der permanente Informationsaustausch mit Kunden und Lieferanten stärker denn je erforderlich. Nur so ist ein sofortiges Reagieren bei eventuellen Lieferengpässen möglich. Nichtsdestotrotz können wir es leider nicht ausschließen, dass in einigen Produktbereichen kurzfristig eine Verknappung stattfindet. Falls notwendig, bieten wir unseren Kunden einen Materialwechsel an. Es gibt auch immer wieder Fälle, bei denen konkret mit dem entsprechenden Industriepartner eine auf das jeweilige Projekt bezogene Kompromisslösung gefunden werden muss. Wir tun alles, um die Versorgung unserer Kunden zu sichern, auch wenn dies aktuell in einem schwierigen Umfeld geschieht. Unsere Hoffnung als TDH Gruppe ist es, alsbald zu einem normalen Liefer- und Preisniveau zurückzukehren. Wir informieren unsere Kunden permanent über ­Preisentwicklungen. Alle anstehenden Preiserhöhungen seitens der Industrie findet man zusätzlich auf unserer Internetseite. An unserem ­Produktionsstandort HSMC konnten wir alle notwendigen Rohstoffe rechtzeitig beschaffen, sodass es bei unseren Eigenmarken zu keinerlei Lieferengpässen kommt. In diesem Jahr tätigen wir zusätzlich kräftige Investitionen, um unsere Produktionsanlagen zu optimieren.“
Udo Beinenz, Geschäftsführer TDH Koblenz GmbH

 

„Seit dem 2. Halbjahr 2020 führen die schnelle Erholung des chinesischen Marktes und die Investitionsprogramme der USA neben den davor auch in Europa durchgeführten Produktionsreduktionen zu einer drastischen Veränderung der Produktströme auf dem Weltmarkt. Und damit entstand eine temporäre Unterversorgung in Europa, d.h. eine Verknappung bestimmter Materialien, und damit einhergehend eine nie zuvor gesehenen Preissteigerung innerhalb kurzer Zeit. So hat sich der Stahlpreis Stand Mai um +150 % seit Juli 2020 und ebenso der chemische Grundstoff MDI (Basis für expandiertes Polystyrol EPS) um mehr als +140 % innerhalb von 12 Monaten verteuert. Knappheit und Preissteigerung bei den chemisch basierten Dämmstoffen führt in Folge zu einer Marktverschiebung, hin zu den besser verfügbaren mineralischen Dämmstoffen, sodass auch hier Preissteigerungen von 15-25 % seit Mitte 2020 zu verzeichnen sind. Die Auswirkungen für die Isolierbranche sind europaweit spürbar. Auftragskalkulationen mit deutlicher Unterdeckung auf der Materialseite, Beschäftigungseinschränkung aufgrund von Materialknappheit und Vertragsrisiken aufgrund verspäteter Bauausführung sind die unmittelbare Folge. Experten rechnen spätestens im 1.Halbjahr 2022 mit einer Beruhigung der Situation und damit, bei normalisierter Verfügbarkeit, mit deutlich sinkenden Preisen.“
Dr. Rudolf K. Jürcke, Präsident FESI

 

„Versorgungsengpässe auf den Rohstoffmärkten, Ausfälle in den globalen Lieferketten sowie pandemiebedingte Logistikprobleme haben in den vergangenen Monaten zu einem erheblichen Anstieg unserer Rohstoff- und Betriebskosten geführt. Um die Kostensteigerungen abzufedern, sehen wir uns gezwungen, einen Material- und Betriebskostenzuschlag zu erheben. Dieser Aufschlag von derzeit 7,3 % gilt für unser gesamtes Produktsortiment inklusive Zubehörartikeln. Obschon die Situation auf dem internationalen Rohstoffmarkt schwierig ist, werden wir alles daransetzen, unseren Geschäftspartnern die bestmögliche Service- und Lieferqualität zu gewährleisten. Gemeinsam mit unseren Partnern in Handel und Handwerk werden wir diese herausfordernden Zeiten meistern und weiter gestärkt aus dieser pandemiebedingten Krise heraustreten.“
Malte Witt, Armacell Vice President EMEA & Chief Marketing Officer

 

 

Der Beitrag ist auch in Ausgabe 2.2021 der Fachzeitschrift TI – Technische Isolierung (Juni) erschienen.

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