RM Rudolf Müller

Der aktuelle GEG-Entwurf umfasst 182 Seiten. (Bild: TI – Technische Isolierung )

Recht + Regeln
21. August 2019 | Artikel teilen Artikel teilen

Positionen der Bundesfachgruppe WKSB in der Stellungnahme des ZDB

Die GEG-Paragraphen 68, 69 und 70 regeln die Vorgaben für den Isolierer. Unberücksichtigt blieben raumlufttechnische Leitungsdämmungen. Das Positionspapier des ZDB verdeutlicht die Konsequenzen dieses Entwurfs.

Von Elke Rieß. 2010 wurde die EU-Gebäuderichtlinie verabschiedet. Sie fordert den Niedrigstenergiestandard für Neubauten. Auf Bundesebene wird seit Jahren um die Ausgestaltung einer entsprechenden nationalen Regelung gerungen, die nun zu einer Zusammenführung der momentan parallel laufenden Gesetze und Verordnungen zum Thema „Energieeffizientes Bauen“ im Gebäudeenergiegesetz (GEG) führen soll.

Dabei treffen die unterschiedlichen Forderungen von Energieeffizienz und bezahlbarem Wohnraum unmittelbar aufeinander, sodass der Entwurf nach dem aktuellen Stand (Mai 2019) einige Neuerungen im Vergleich zur EnEV birgt. Während für die warmgehenden Leitungen aus Gründen der Flexibilität auf starre Dämmvorgaben verzichtet werden soll (Entfall der EnEV-Tabelle), soll die fragwürdige 6-mm-Vorgabe für kaltgehende Leitungen unverändert erhalten bleiben.

Die Nachrüstpflicht soll stark eingeschränkt werden, und Vorgaben für die Lüftungsdämmung sind weiterhin nicht vorgesehen. Die Gremien der Fördergemeinschaft Dämmtechnik sowie der Bundesvorstand der WKSB-Gruppe im ZDB haben daraufhin durch eine Stellungnahme ihren Standpunkt eingebracht (siehe auch: „Anhörung offenbart Defizite des GEG-Entwurfes“).

§ 68 Wärmeverteilungs- und Warm­wasserleitungen sowie Armaturen

„(1) Werden Wärmeverteilungs- und Warmwasserleitungen sowie Armaturen erstmals in einem Gebäude eingebaut oder werden sie ersetzt, hat der Bauherr oder der Eigentümer dafür Sorge zu tragen, dass die Wärmeabgabe der Rohrleitungen und Armaturen in der Weise begrenzt wird, dass

  1. die längenbezogene Wärmedurchgangszahl aller Wärmeverteilungsleitungen des Gebäudes, soweit diese in unbeheizten Räumen, in Außenbauteilen, durch Räume von Nutzern, die die Wärmeabgabe dieser Leitungen nicht beeinflussen können, in Bauteilen zwischen den Räumen unterschiedlicher Nutzer oder an Außenluft grenzend verlegt sind, im Mittel einen Wert von 0,25 Watt pro Meter und  Kelvin nicht überschreitet, und
  2. die längenbezogene Wärmedurchgangszahl aller Warmwasserleitungen eines Gebäudes, die in einen Zirkulationskreislauf eingebunden oder mit einer Begleitheizung versehen sind, im Mittel einen Wert von 0,25 Watt pro Meter und Kelvin nicht überschreitet.

(2) Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie kann gemeinsam mit dem Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat für Wärmeverteilungs- und Warmwasserleitungen sowie Armaturen nach Absatz 1 Dämmschichtdicken und -qualitäten im Bundesanzeiger bekannt machen, bei deren Einhaltung die Erfüllung der Anforderungen des Absatzes 1 vermutet wird. “ [1]

Aus der Stellungnahme des ZDB

Als energetische Anforderung an die Wärmedämmung von allen im Gebäude verlegten Rohrleitungen und Armaturen wird eine mittlere längenbezogene Wärmedurchgangszahl von 0,25 W/(mK) als zulässiger Höchstwert festgelegt. Dies ist im Vergleich zum jetzigen Standard innerhalb der thermischen Hülle eine Verschlechterung der energetischen Anforderung um durchschnittlich 50 % und um rund 70 % außerhalb der thermischen Gebäudehülle.
Eine Senkung der Baukosten ist dadurch nicht zu erwarten.

Die Kosten für die Bauleistung selbst werden – wenn überhaupt  – minimal reduziert, während die Planungs- und Überwachungskosten durch die dann nötige energetische Betrachtung und den rechnerischen Nachweis des gesamten Rohrleitungsnetzes steigen werden. Klarzustellen ist in diesem Zusammenhang insbesondere auch, dass der Bauausführende nicht für die Einhaltung des rechnerischen Durchschnittswerts verantwortlich sein kann. An der Stelle wird sonst eine Rechtsunsicherheit geschaffen, da Ausführende in der Regel nie mit Planungsaufgaben betraut sind und daher auch keine Einsicht in die erforderlichen Unterlagen haben. Um dies zu vermeiden, schlagen wir vor, als (alternative) Nachweismöglichkeit der Einhaltung des o. g. Durchschnittswerts tabellarische Vorgaben zu Mindestdämmdicken von Isolierungen an warmgehenden Rohrleitungen in Anlehnung an die etablierte und geübte Tabelle 1 der Anlage 5 der bestehenden Energieeinsparverordnung (EnEV) zu verwenden und diese in das GEG unmittelbar aufzunehmen.

§ 69 Kälteverteilungs- und Kaltwasser­leitungen sowie Armaturen

„Werden Kälteverteilungs- und Kaltwasserleitungen sowie Armaturen, die zu Klimaanlagen oder sonstigen Anlagen der Raumlufttechnik im Sinne des § 64 Satz 1 gehören, erstmals in ein Gebäude eingebaut oder werden sie ersetzt, hat der Bauherr oder der Eigentümer dafür Sorge zu tragen, dass die Wärmeaufnahme der eingebauten oder ersetzten Kälteverteilungs- und Kaltwasserleitungen sowie Armaturen durch eine Dämmschicht mit der Wärmeleitfähigkeit von 0,035 Watt pro Meter und Kelvin in einer Dicke von mindestens 6 Millimetern oder in gleichwertiger Weise begrenzt wird.“

Aus der Stellungnahme des ZDB

Die Mindestdicke der Dämmschicht an kaltgehenden Rohrleitungen wurde in der EnEV 2009 eingeführt und als energetische Anforderung im Referentenentwurf des GEG übernommen. Die hier genannten 6 mm genügen jedoch im Hinblick auf Energieeffizienz nicht. Sie sind in aller Regel nicht einmal ausreichend, um die Minimalanforderung der Tauwasservermeidung zu erfüllen. Wir halten es daher für erforderlich, die Mindestdicken der Dämmschicht von Kälteleitungen an die Wärmeverlustvorgaben von warmgehenden Rohrleitungen gemäß § 69 anzugleichen und 0,25 W/mK auch hier als verpflichtendes Minimum einzuführen.

Eine unterschiedliche Behandlung des Energieverlustes für warm- und kaltgehende Leitungen ist nicht nachvollziehbar. Im Bereich der Kälte würde dies eine Annäherung der rechtlichen Vorgaben an den Stand der Technik bedeuten.

Auch hier wären jedoch mittelfristig konkrete Werte zur Vereinfachung sinnvoll und eine Erweiterung auf Armaturen wünschenswert.

§ 70 Dämmung von Wärmeverteilungs- und Warmwasserleitungen

„(1) Der Eigentümer eines Gebäudes hat dafür Sorge zu tragen, dass bei heizungstechnischen Anlagen bisher ungedämmte, zugängliche Wärmeverteilungs- und Warmwasserleitungen, die sich nicht in beheizten Räumen befinden, die Wärmeabgabe der Rohrleitungen nach § 68 Absatz 1 begrenzt wird.

(2) Absatz 1 ist nicht anzuwenden, soweit die für eine Nachrüstung erforderlichen Aufwendungen durch die eintretenden Einsparungen nicht innerhalb angemessener Frist erwirtschaftet werden können. “ [1]

Aus der Stellungnahme des ZDB

Die Nachrüstpflicht für Armaturen entfällt und für Bestandsleitungen ist die Amortisation innerhalb einer „angemessenen Frist“ Voraussetzung. Bei einer durchschnittlichen Amortisationszeit für Leitungsdämmung in der jetzigen EnEV-Ausführung zwischen einem halben und zwei Jahren erscheint diese Einschränkung weder energetisch noch wirtschaftlich logisch. Zudem entfällt eine praktikable Möglichkeit zur Überwachung der Einhaltung von energetischen Nachrüstungen völlig. Zugrunde liegende Berechnungsmodelle und Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen sind nicht hinterlegt, sodass hier „weiche Paragrafen“ entstehen, die das Risiko eines Nachrüstungsstopps bergen.

Forderung nach einem Paragraphen „Raumlufttechnische Leitungen“

Anforderungen an Mindestdicken der Dämmschicht von Lüftungsanlagen sind bisher nicht geregelt. Auch hier entstehen jedoch durch die zunehmende Klimatisierung von Wohn- und Nichtwohngebäuden energetische Verluste im Leitungsverlauf. Wir halten es daher für dringend erforderlich, Mindestdicken der Dämmschicht von Lüftungsleitungen in ein neues GEG aufzunehmen (z. B. gemäß den praxiserprobten österreichischen Normvorgaben oder der DIN 1946-6). Die Richtlinie VDI 4610 Blatt 1 und Blatt 2 definiert die Methode für einen ganzheitlichen Ansatz zur energieeffi­zienten, ressourcenschonenden und wirtschaftlichen Bauteil- und Anlagendämmung für den Wärme- und Kälteschutz für die Technische Gebäudeausrüstung. Diese Richtlinien werden den zukünftigen Stand der Dämmtechnik in Bezug auf Energieeffizienz mitgestalten und die wissenschaftliche Basis für höhere Dämmschichtdicken bilden.

Fazit

Der momentane Entwurf senkt faktisch die energetischen Anforderungen und erhöht somit die Folgekosten insbesondere für Nutzer und Mieter, während er zu Kostensteigerungen in den Planungs- und Ausführungskosten führen wird. Beide Entwicklungen entsprechen nicht den Zielen des GEG.

Durch gezielte Änderungen in den Paragrafen 68 bis 70 zu den Vorgaben an die Wärme- und Kältedämmung von Rohrleitungen und Armaturen sowie ergänzend durch Einführung von Vorgaben für die Luftkanaldämmung besteht die Möglichkeit, die beiden primären Ziele

  • Senkung des primären Energieeinsatzes und damit Steigerung der Energieeffizienz sowie
  • Senkung der Gebäudeerstellungs- und Betriebskosten und somit auch der Mietkosten und der Bereitstellung von günstigem Wohnraum gleichzeitig zu erfüllen.

Eine Erhöhung der Baukosten durch die Umsetzung der oben genannten Punkte liegt unter einem Promille der Projektkosten. Dem gegenüber stehen hohe Energieeinsparungen und somit eine Reduktion von Folge- und Unterhaltskosten, die weit über 10 % liegen. Hier besteht die Möglichkeit, mit einfachen Mitteln die Energieeffizienz im Gebäude zu erhöhen.

Es wird nicht nur die Einhaltung der EU-Gebäuderichtlinie und der durch die Bundesregierung selbstgesetzten Umweltziele unterstützt, sondern auch die der im Koalitionsvertrag gesetzten Ziele in Bezug auf Verringerung von Kosten für Gebäude und damit die Bereitstellung von kostengünstigem Wohnraum.


Autorin

Dr.-Ing. Elke Rieß: Geschäftsführerin F.K. Isoliermontage GmbH, Ahorntal (Bayern),
elke.riess@fki-gmbh.de


Literatur

[1] Gesetzentwurf der Bundesregierung
Gesetz zur Vereinheitlichung des Energieeinsparrechts für Gebäude
Bearbeitungsstand: 28.05.2019 21:02 Uhr

Der Beitrag ist auch in Ausgabe 2.2019 der Fachzeitschrift TI – Technische Isolierung (August 2019) erschienen.

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