RM Rudolf Müller
Rein-Aluminium-Klebeband - Der unscheinbare Helfer (1)

Abb. 1: Gute Verklebung sichert eine langlebige Klebstoffhaftung. (Bild: Coroplast)

Ausführung
14. Januar 2020 | Artikel teilen Artikel teilen

Rein-Aluminium-Klebeband – Der unscheinbare Helfer

Dämmstoffe – insbesondere Dämmstoffe aus Mineralwolle – haben in den letzten Jahrzehnten eine stetige Entwicklung erfahren und weisen in der heutigen Zeit ein hohes Qualitätsniveau auf. Gängige Dämmsysteme tragen zu einem großen Maße zur Energieeinsparung bei und sind somit ein rentables Wirtschaftsgut. Hochwertige Klebebänder ebenso.

Von Carsten Schmidt. Qualität zählt. Ein Satz, der auch für eine gute Dämmung gilt. Denn der Erfolg der Wärmedämmung und die Vermeidung von Korrosionsschäden hängen deutlich von der Wahl des Qualitätsklebebandes ab. Denn die Qualität des Klebebandes ist ein erheblicher Einflussfaktor für ein erfolgreiches Dämmsystem.

In erster Linie bleibt festzuhalten: Reinaluminiumklebebänder dichten zuverlässig Stöße und Fugen gegen Feuchtigkeit und Luft ab. Standardmäßig werden in Deutschland Reinaluminiumklebebänder verarbeitet, die „nur“ 0,025 mm dick sind. Dies ist für die Herstellung einer Diffusionsdichtigkeit an Nähten und Stoßstellen vollkommen ausreichend. Jedoch ist ein Reinaluminumklebeband kein Befestigungsmittel, weshalb weitere Faktoren beachtet werden sollten.

Scherfestigkeit ist wichtiger als Klebstärke

Nimmt man zum Beispiel ein Reinaluminiumklebeband in die Hand, fühlt man in erster Linie den „Tack“, d.h. die Klebrigkeit des Klebstoffes. Diese Klebrigkeit sagt jedoch nur bedingt etwas über die Qualität und Brauchbarkeit des Klebebands aus. Wesentlich entscheidender ist hier die Scherfestigkeit, also die Kraft, die zwei auseinander bewegende Flächen zusammenhält.

Scherkräfte entstehen bei Spannungen, die meist bei der Montage von Lamellenmatten auftreten. Qualitätsklebebänder sind nicht auf subjektive Klebrigkeit ausgerichtet, sondern auf eine perfekte Verbindung zum Dämmaufbau. Und Vorsicht: „Viel hilft viel“ ist daher nicht immer die beste Wahl zur Verklebung.

Selbst wenn Qualitätsklebebänder die o.g. Sicherheitsfeatures aufweisen, sind dennoch Spannungen bei der Dämmstoffmontage nach Möglichkeit zu vermeiden. Die Anwendungsdokumente der Systemhersteller geben hierzu Hinweise. Nur so kann eine langfristige Verklebung ermöglicht werden.

Anrakeln des Klebebandes

Ebenfalls unabdingbar, um ein Dämmsystem dauerhaft zu verschließen, ist das Anrakeln des Klebebandes. Qualitätshersteller legen zu diesem Zweck Gratisspachtel den Klebebändern bei. Reibt man das Klebeband „nur“ mit den Händen an, so ist nicht sichergestellt, dass die Klebefläche auch vollflächig auf dem Untergrund anhaftet (s. Abb. 2).

Im schlimmsten Fall löst sich die Verklebung schon nach wenigen Augenblicken wieder, obwohl das Klebeband beste Performance leistet.

Rein-Aluminium-Klebeband - Der unscheinbare Helfer (2)

Abb. 2: Verklebung gegen Plexiglas mit Andruckhilfe (Spachtel), Klebstoffseite sichtbar. Gleichmäßige Verteilung des Klebstoffes und damit gleichmäßige und optimale Haftung. (Bild: Coroplast)

Erstes Gebot: Sauberkeit am Arbeitsplatz

Sauberkeit ist ein weiterer Einflussfaktor für eine dauerhafte Verklebung. Staub und Fertigungsrückstände auf der Aluminiumkaschierung der Dämmstoffe wirken sich ebenso negativ aus wie Feuchtigkeit und Frost. Zwar bieten Qualitätshersteller Aluminiumklebebänder an, die sich sogar auf feuchten Dämmsystemen verkleben lassen, jedoch klebt das Band immer auf der obersten Fläche – und diese sollte unbedingt staub- und  dreckfrei sein.

Klassifizierung der Brandklasse

Für die Sicherheit eines Systems ist vor allem die Klassifizierung der Brandklasse wichtig. Im Schiffsbau ist wird dies z.B. nach der MED (Marine Equipment Directive) durchgeführt. Im Bausektor erfolgen Prüfungen nach EN 13501, wobei in Deutschland weiterhin die DIN 4102 bevorzugt wird. Je nach Anforderung sollten die Bänder dann mindestens B1 oder A2 sein. Entsprechende Zertifikate und Prüfzeugnisse können bei den Herstellern angefordert werden.

Folienklebebänder eignen sich nur bedingt

Neben Klebebändern aus reinem Aluminium werden auch Folienklebebänder angeboten, die aber weder mit der Brandschutz- noch mit der Dichtwirkung des Leichtmetalls mithalten können. Folienbänder haben zwar in der Regel eine Aluminiumbeschichtung in Form einer Bedampfung, durch die geringe Schichtdicke des Aluminiums werden die gewünschten Eigenschaften zur Sicherung des Systems allerdings nicht erreicht.


Info: DIN + EU Normen bei der Dämmung

DIN EN 13501 +  DIN 4102:

Die deutsche und die europäische Brandschutzklassifizierung von Baustoffen existieren parallel. Wobei seit 2001 für alle nachfolgend zugelassenen Baustoffe nur noch die EN (Europäische Norm) 13501 verwendet wird. Doch sie unterscheiden sich voneinander, weil die Euronorm anderen Prüfkriterien unterliegt. Dadurch werden die Baustoffe in eine größere Vielzahl von Klassen unterteilt, als in der DIN (Deutsches Institut für Normen) 4102.

So reichen die Baustoffklassen in der EN 31501 von A bis F. A1-A2: Kein Beitrag zum Brand; B: Sehr begrenzter Beitrag zum Brand; C: Begrenzter Beitrag zum Brand; D: Hinnehmbarer Beitrag zum Brand; E: Hinnehmbares Brandverhalten; F: Keine Leistung festgestellt.

Darüber hinaus werden die Baustoffe nach Rauchentwicklung (smoke, s1-s3) und brennendem Abtropfverhalten (droplets, d0-d2) eingeteilt. s1: Geringe Rauchentwicklung; s2: Mittlere Rauchentwicklung; s3: Hohe Rauchentwicklung/Rauchentwicklung nicht geprüft. d0: Kein brennendes Abtropfen/Abfallen innerhalb von 600 Sekunden; d1: Kein brennendes Abtropfen/Abfallen mit einer Nachbrennzeit länger als 10 Sekunden innerhalb von 600 Sekunden; d3: Keine Leistung festgestellt. Im Gegensatz zu der DIN-Norm, in der es zwei Brandschutzklassifizierungen von Baustoffen gibt: A (nicht brennbar) oder B (brennbar). Diese unterteilen sich nochmals in: A1: Nicht brennbar ohne brennbare Bestandteile; A2: Nicht brennbar mit brennbaren Bestandteilen; B1: Schwer entflammbar; B2: Normal entflammbar; B3: Leicht entflammbar. Die Verarbeiter der Technischen Isolierung richten ihre Arbeit der Einfachheit halber immer noch nach der DIN aus.


Autor

Carsten Schmidt: Key Account Manager technische Klebebänder WKSB/HVAC Deutschland, Skandinavien, BeNeLux
C.Schmidt@coroplast.de

 
Der Beitrag ist auch in Ausgabe 3.2019 der Fachzeitschrift TI – Technische Isolierung (November 2019) erschienen.

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