RM Rudolf Müller
Schadstofffrei dämmen mit halogenfreien Dämmstoffen

Abb. 1: Halogenfreie Dämmungen gewinnen immer mehr an Bedeutung (Foto: Andrei Merkulov_123rf)

Planung
03. Februar 2020 | Artikel teilen Artikel teilen

Schadstofffrei dämmen mit halogenfreien Dämmstoffen

Verantwortungsvolles Dämmen im Umfeld von Menschen und Tieren gehört mit zu den obersten Geboten der Isoliertechnik. So auch die halogenfreie Dämmung. Diese gewinnen in der technischen Isolierung immer mehr an Bedeutung.

Von Dirk Behring. Halogenfreie Dämmstoffe gewinnen in der technischen Isolierung immer mehr an Bedeutung. Da diese frei von PVC, Chloriden und bromierten Flammschutzmitteln sind, können diese, je nach Konfiguration, sowohl in Green Building als auch in nachhaltigen Bauprojekten eingesetzt werden. Der Dämmstoff eignet sich besonders für die Anwendung auf Leitungssystemen aus Edelstahl bzw. für den Einsatz in Industrie- und Spezialanwendungen, in welchen toxische Brandgase eine besondere Gefahr darstellen. Darunter fallen unter anderem auch Anwendungen im Schiff- und Bahnbereich. Die Verarbeitung von halogenfreien Materialien erfordert jedoch ein gewisses fachliches Know-How.

Vermeidung von Rissen

Halogenfreie Materialien sind im Vergleich zu Standard-FEF sensi­bler und mechanisch nicht so fest, da ihnen die stabilisierende Wirkung der halogenhaltigen Inhaltsstoffe fehlt. Aufgrund dessen ist die Haut der Dämmstoffe schwächer, was wiederum zur Folge hat, dass sich unter Zug oder Spannung Mikrorisse bilden können. Zur Vermeidung solcher Risse muss die Verarbeitung der Dämmstoffe somit spannungsarm bzw. spannungsfrei erfolgen.

Verarbeitung von Plattenmaterial

Bei der Verwendung von Plattenmaterial darf der Mindestinnendurchmesser, wie in der links stehenden Tabelle angegeben, nicht unterschritten werden! Ein „Zurechtziehen“ zu klein oder falsch ­zugeschnittener Platten ist zu verhindern. Eine Standard-Dämmschichtdicke von 32 mm ist mittels Platten in den Dimensionen 13 mm ­(innen) und 19 mm herzustellen (s. Abb. 2, Bild A).

Schadstofffrei dämmen mit halogenfreien Dämmstoffen

Abb.2: Mindestinnendurchmesser (Foto: Kaimann)

Verarbeitung von Schlauchmaterial – Dämmung von Rohren

Im Zweifelsfall sollte auf Rohren ein größerer Schlauch-Innendurchmesser gewählt werden (s. Abb. 3, Bild B). Ein gewaltsames Aufschieben oder nachdrückliche Reibung ist zu vermeiden.

Schadstofffrei dämmen mit halogenfreien Dämmstoffen

Abb. 3: Leichtes Aufschieben vom Schlauchmaterial (Bild: Kaimann)

Verarbeitung von Schlauchmaterial – Dämmung von Winkeln und Bögen

Auch bei der technischen Isolierung von Winkeln und Bögen ist das Aufschieben von Schläuchen mit Gewalt und unter Reibung zu vermeiden (siehe Abb. 4, Bild C).

Schadstofffrei dämmen mit halogenfreien Dämmstoffen

Abb. 4: Aufschieben bei Winkeln und Bögen (Bild: Kaimann)


Verarbeitung:

Die korrekte und spannungsfreie Verarbeitung von halogenfreien Materialien erfolgt in diesem Fall mit Bogen-Abschnitten:

Hinweis: Die Angaben zur Verarbeitung halogenfreier Produkte können je Hersteller variieren. Bitte spezifische Herstellerangaben beachten.


Autor

Dirk Behring: Fachplaner für gebäudetechnischen Brandschutz (EIPOS), Mitarbeiter Kaimann
Dirk.Behring@kaimann.de

 
Der Beitrag ist auch in Ausgabe 3.2019 der Fachzeitschrift TI – Technische Isolierung (November 2019) erschienen.

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Tipps und Tricks bei der Verarbeitung von halogenfreien Materialien

Die Firma Kaimann hat die Verarbeitungshinweise für halogenfreie Materialien am Beispiel des Dämmstoffs Kaiflex HFplus s2 in einer Montageanleitung zusammengefasst:
Montageanleitung Halogenfreie Materialien / Kaiflex HFplus s2 (pdf)


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