Teilnehmende des PU-Lehrgangs im Februar 2022.
Für die Teilnehmenden des Lehrgangs im Februar 2022 hatte der Prüfungsausschuss gute Nachrichten: Alle haben die Prüfung bzw. Verlängerungsprüfung bestanden. (Quelle: Redaktion TI)

Branchen-News

23. June 2022 | Teilen auf:

PU-Vorbereitungslehrgang und Prüfungen im Komzet Bau Bühl

Polyurethan-Ortschaum, kurz PU-Ortschaum, wird im Bauwesen und vor allem in der Isolierbranche bei betriebs- und haustechnischen Anlagen als Dämmstoff zur Wärme- und Kältedämmung eingesetzt. Um eine fachgerechte Ausführung sicherzustellen, findet im Ausbildungszentrum Komzet Bau in Bühl jährlich ein einwöchiger PU-Vorbereitungslehrgang durch das Isolierhandwerk mit anschließender PU-Prüfung als Fort- und Weiterbildungsmaßnahme statt – und das seit fast 45 Jahren.

PU-Ortschaum ist ein geschlossenzelliger, harter Schaumkunststoff. Zu dessen Herstellung werden zwei Komponenten mittels Druckmaschine, welche die Komponenten zum Mischkopf am Ende der Schlauchleitung fördert, vermischt und je nach Verarbeitungsverfahren eingebracht. Das ausführende Isolierfachunternehmen – der sogenannte Anwender – ist somit zugleich Hersteller, wodurch besondere Anforderungen an ihn gestellt werden. Bei unsachgemäßer Herstellung, etwa aufgrund fehlender Aus-, Fort- oder Weiterbildung, möglicher Unkenntnis bestehender allgemein anerkannter Regeln der Technik oder neuer technologischer Entwicklungen und Maschinen, können Schädigungen auftreten. Diese können zum Versagen der Dämmung führen und somit zu erheblichen Mehrkosten. Darüber hinaus ist es oberste Priorität, die Auftragnehmer und deren Beschäftige vorsorglich zu schützen.

Übung macht den Meister: Im Vorbereitungslehrgang bereiten sich die Teilnehmenden auf die anschließende PU-Prüfung vor. (Quelle: Redaktion TI)

Den sicheren Umgang lernen

Um die fachgerechte Anwendung sicherzustellen, wird jährlich ein einwöchiger PU-Vorbereitungslehrgang durch das Isolierhandwerk mit anschließender PU-Prüfung als Fort- und Weiterbildungsmaßnahme durchgeführt – so auch Mitte Februar dieses Jahres. Erneut stieß das Angebot auf großes Interesse: Mit 14 Teilnehmenden waren Lehrgang und Prüfungen gut gebucht.

Die Trägerorganisationen der PU-Prüfung sind die Bundesfachgruppe Wärme-, Kälte-, Schall- und Brandschutz im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB), die Bundesfachabteilung Wärme-, Kälte-, Schall- und Brandschutz im Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) und die Güteschutzgemeinschaft Hartschaum (GSH). Es handelt sich um eine Branchenvereinbarung, die auf dem Markt sowie bei der Regelung von Schadensfällen große Bedeutung erlangt hat – auch aus rechtlicher Sicht.
Nach erfolgreichem Bestehen der Erstprüfung wird den Teilnehmenden ein Zeugnis ausgestellt, das bescheinigt, dass die Person erfolgreich die theoretische Prüfung, die praktische Prüfung (Schäumen einer Platte und eines Rohres) sowie die Schaumbewertung absolviert hat und damit befähigt ist, selbstständig zu schäumen (Befähigungsnachweis). Der Absolvent oder die Absolventin darf ab diesem Zeitpunkt die Bezeichnung „Geprüfte/r PU-Ortschäumer/in“ führen und ist in einem bundeseinheitlichen Zentralregister gelistet.

Zur Herstellung von PU-Ortschaum werden zwei Komponenten mittels Druckmaschine vermischt und je nach Verarbeitungsverfahren eingebracht. (Quelle: Redaktion TI)

Infobox: Voraussetzungen und Materialien

Der Prüfungsbewerber oder die -bewerberin muss volljährig sein und bereits praktische Erfahrung mit der maschinellen Herstellung von PU-Ortschaum gesammelt ha­ben. Er oder sie muss über ausreichende Deutschkennt­nisse verfügen.

Grundlage sowohl für den PU-Vorbereitungslehrgang als auch für die PU-Prüfung ist das der/dem Prüfungsbewerber/in vom Prüfungsausschuss ausge­händigte PU-Handbuch – Grundlagen und Praxis. Teilnehmende des Vorbereitungslehrganges und der Prüfung erhalten die Unterlage kostenlos. Darüber hinaus kann das PU-Handbuch auf der Webseite www.isoliertechnik.de bestellt werden. Mitgliedsunternehmen der drei Trägerorganisationen erhalten Sonderkonditionen.

Der PU-Vorbereitungslehrgang

Schon vor vielen Jahren hat sich gezeigt, dass insbesondere kleine und mittelständische Isolierfachunternehmen des Handwerks in dem Spezialzweig PU-Ortschäumen nicht über die Kapazitäten oder das Interesse verfügen, selbst aus- bzw. fortzubilden. Daher hat man sich im Isolierhandwerk dazu entschieden, einen Vorbereitungslehrgang zur Prüfung einzurichten. So geplant, so geschehen: Unter Eigenverantwortung der Bundesfachgruppe Wärme-, Kälte-, Schall- und Brandschutz wurde vor rund 45 Jahren der Vorbereitungslehrgang aus der Taufe gehoben. Im Zuge der Entwicklungen im Markt zeigte sich darüber hinaus, dass Isolierfachunternehmen aus der Industrie ebenfalls partizipieren wollten. So wurde allen Mitgliedsbetrieben und Beschäftigten der drei Trägerorganisationen der PU-Prüfung die Teilnahme am Lehrgang eröffnet.


Seit Beginn an erfreut sich der PU-Vorbereitungslehrgang großer Beliebtheit. Der Großteil der Teilnehmenden hat wenig Probleme, bei der anspruchsvollen Prüfung zu bestehen. Das spiegelt die Wertstellung des Lehrgangs wider, in dem komprimiert innerhalb einer Woche sowohl die theoretischen als auch die praktischen Fertigkeiten gelernt und durch praktische Anwendung vertieft werden.

Der PU-Ortschaum wird flüssig eingebracht... (Quelle: Redaktion TI)
...nach wenigen Minuten wird das Gemisch zur harten Masse. (Quelle: Redaktion TI)

PU-Prüfung und -Verlängerungsprüfung

Nach der Prüfungsordnung vom 5. Januar 1978 sind die drei Trägerorganisationen übereingekommen, Betriebsangehörigen ihrer Mitglieder zu ermöglichen, PU-Ortschaum herzustellen. Dabei bilden sie einen gemeinsamen Prüfungsausschuss. Zur Ablegung einer Prüfung zum/zur Polyurethan-Ortschäumer/in können die Bewerber den Nachweis erbringen, dass sie die für die Herstellung von PU-Ortschaum erforder­lichen praktischen Fertigkeiten und theoretischen Kenntnisse besitzen. Der Prüfungsausschuss besteht aus maximal 18 Mitgliedern, von denen jede der drei Organisatio­nen sechs benennt. Fünf davon sollen Mitgliedsfirmen angehören. Das sechste Mitglied ist der Geschäftsführer der jeweiligen Organisationen.

Normen und Richtlinien zur Verarbeitung

Für die Verarbeitung von PU-Ortschaum dürfen nur CE gekennzeichnete Schaumsysteme eingesetzt werden (für das Bauwesen Gießschaumsysteme nach DIN EN 14318-1 und Spritzschaumsystem nach DIN EN 14315-1 und für betriebs- und haustechnische Anlagen Gießschaumsysteme nach DIN EN 14319-1 und Spritzschaumsysteme nach DIN EN 14320-1). Diese Normen sind nach der europäischen Bauproduktenverordnung (EU) Nr. 305/2011 verbindlich und können nicht vertraglich aufgehoben werden. Sie gelten daher immer.

Kleinere Wartungsarbeiten an den Maschinen können vor Ort erledigt werden. (Quelle: Redaktion TI)

Für das Dämmen betriebs- und haustechnischer Anlagen gilt die DIN 4140 „Dämmarbeiten an betriebstechnischen Anlagen in der Industrie und in der technischen Gebäudeausrüstung – Ausführung von Wärme- und Kältedämmungen“. Im Gegensatz zu den europäischen Produktnormen muss DIN 4140 vertraglich vereinbart werden, wenn sie zwischen zwei Vertragspartnern gelten soll. Das gilt auch für das AGI-Arbeitsblatt als Richtlinie: Q 138 „Polyurethan(PU)-Ortschaum als Dämmstoff für betriebstechnische Anlagen“. Allgemeine praktische Bedeutung hat die vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) herausgegebene VDI-Richtlinie 2055 „Wärme- und Kälteschutz für betriebs- und haustechnische Anlagen; Berechnung, Gewährleistung, Mess- und Prüfverfahren, Gütesicherung, Lieferbedingungen“.

Danksagung durch die Veranstalter

An dieser Stelle dürfen wir der Prüfungskommission, die in ehrenamtlicher Tätigkeit Jahrzehnte lang die Gesamtverantwortung inne hatte und noch inne hat und ihrerseits hervorragende und engagierte Arbeit in all den Jahren ihrer Tätigkeit leistete, danken.

Weiterer Dank gilt dem Berufsförderungswerk der Südbadischen Bauwirtschaft, dem Komzet Bau Bühl. Hier wird das PU-Seminar in gewohnter Weise seit vielen Jahren durchgeführt. Das Komzet Bau Bühl zeichnet sich durch seine  hervorragende Organisation und damit einhergehend durch die sehr gute Betreuung der Teilnehmer/innen aus.
Weiterhin richtet sich unser Dank an die Firmenleitung der Firma LACKFA Isolierstoffe GmbH und Co., Rellingen, die die Maschinen und Komponenten stellt. Wir danken für die ausgezeichnete maschinentechnische Betreuung und engagierte Arbeit, die überhaupt erst die Durchführung der Veranstaltungen möglich macht.


Rudolf Domscheid, Geschäftsführer Bundesfachgruppe WKSB im ZDB, und Walter Riering, Vorstandsmitglied BFA WKSB im HDB

Erst befristet, dann auf Lebenszeit

Bei bestandener Prüfung wird dem Prüfungsteilnehmer bzw. der -teilnehmerin ein Befähigungsnachweis in drei Sprachen – deutsch, englisch, französisch – ausgehändigt, der von der Güteschutzgemeinschaft Hartschaum eine Registrierungsnummer erhält. Der Prüfling führt ab diesem Zeitpunkt den Titel: Geprüfte/r PU-Ortschäumer/in. Dieser Befähigungsnachweis wird für die Dauer von drei Jahren ausgestellt. Er wird auf An­trag verlängert, wenn entweder der Befähigungsnachweisinhaber bzw. die -inhaberhin vor Ablauf der Gültigkeit den praktischen Teil der Prü­fung erneut ablegt. Alternativ gilt die Verlängerung, wenn innerhalb der letzten 12 Monate vor Ablauf eine im Rah­men der Güteüberwachung entnommene Probe eines vom Ortschäumer oder der -schäumerin hergestellten PU-Ortschaumes geprüft wurde und sie den Mindestanforderungen der Güteschutzgemeinschaft Hartschaum entspricht. Ab erstmaliger Verlänge­rung gilt der Befähigungsnachweis unbefristet.

Am Probewürfel werden Reaktionsablauf (Reaktionszeiten), Rohdichte und die Konturstabilität des PU-Schaumsystems ermittelt. (Quelle: Redaktion TI)

Alle Teilnehmenden des diesjährigen Lehrgangs haben ihre PU-Prüfung bzw. -Verlängerungsprüfung bestanden. Der nächste Vorbereitungslehrgang findet voraussichtlich vom 06.–10. Februar 2023 sowie die nächste PU-Prüfung und PU-Verlängerungsprüfung voraussichtlich vom 13.–15. Februar 2023 im Komzet Bau Bühl statt.

www.zdb.de
www.bauindustrie.de
www.gsh.eu/de

zuletzt editiert am 23.06.2022