Greenergy Data Center: nachhaltige IT-Infrastruktur
24.02.2026
Foto: Tonu Tunnel/ Greenergy Data Centers
Greenergy Data Center: Estlands erstes großskaliertes Rechenzentrum, das vollständig mit erneuerbarer Energie betrieben wird.
Das Greenergy Data Center (GDC) in Tallinn gilt als das zuverlässigste, nachhaltigste und sicherste Rechenzentrum im Baltikum. Die Anlage gewährleistet hohe Zuverlässigkeit und hält den ökologischen Fußabdruck so gering wie möglich, indem ausschließlich erneuerbare Energien genutzt und hocheffiziente Kühltechnik eingesetzt wurden. ArmaFlex Ultima, das auf der patentierten ArmaPrene Technologie von Armacell basiert, spielt dabei eine entscheidende Rolle, indem es Energieverluste der Kühlanlagen reduziert und zum Brandschutzkonzept des Rechenzentrums beiträgt.
Mit vollständig digitalisierten Verwaltungsdiensten und einer Bevölkerung, die zu 99 % über eine elektronische ID verfügt, ist Estland die weltweit führende digitale Gesellschaft und setzt den Maßstab für digitale Innovation in Europa. Vor diesem Hintergrund haben die Betreiber des Greenergy Data Center (GDC) ihr Ziel erreicht: ein Rechenzentrum mit hoher Zuverlässigkeit, Sicherheit und Nachhaltigkeit zu errichten – mit weltweiter Konnektivität und Wachstumspotenzial.
Das GDC verzeichnet seit seiner Inbetriebnahme eine Betriebszeit von 100 Prozent und wird vollständig mit erneuerbarer Energie betrieben. Es ist das erste Rechenzentrum im Baltikum und in Finnland, das nach der strengen europäischen Norm EN 50600 zertifiziert wurde, die einen ganzheitlichen Rahmen für Planung, Bau und Betrieb von Rechenzentren vorgibt. An der Grenze der Bezirke Saue und Harku gelegen, verfügt die Anlage über eine Gesamtfläche von 14.500 m² und eine Leistungskapazität von 31,5 MW und ist damit vergleichbar mit einer durchschnittlichen estnischen Stadt. Dank seines umfassenden Sicherheitskonzepts erreicht das Rechenzentrum Redundanzniveau drei bis vier.1
Intelligente Technik senkt den Energieverbrauch
Server in Rechenzentren verbrauchen große Mengen Energie und erzeugen erhebliche Wärme, die effizient gekühlt werden muss, um optimale Betriebstemperaturen zu gewährleisten. Effektive Kühlung verhindert Überhitzung, reduziert Ausfallrisiken, verlängert die Lebensdauer der Geräte und schützt die Datenintegrität. In herkömmlichen Rechenzentren entfallen bis zu 40 % der Betriebskosten auf die Kühltechnik. Im GDC sorgen das nordische Klima, erneuerbare Energien und die Technologie für eine deutliche Senkung des Energiebedarfs. Die Abwärme wird zudem zur Beheizung von Büroräumen genutzt und in ein Fernwärmenetz eingespeist. Zur automatisierten, KI-gestützten Temperaturregelung wurde ein White Space Cooling Optimization (WSCO)-System von Siemens eingesetzt. Dieses passt die aktive Kühlleistung dynamisch an die jeweilige Belastung an. Über 3.000 Infrastruktur- und Umgebungssensoren überwachen das Gebäude 24/7.
Das GDC verzeichnet seit seiner Inbetriebnahme eine Betriebszeit von 100 Prozent und wird vollständig mit erneuerbarer Energie betrieben.
Bedarfsgerechtes Kühlen senkt Energieverbauch
ArmaFlex Ultima spielt in diesem Konzept eine zentrale Rolle. Die Dämmung der technischen Anlagen mit dieser Lösung begrenzt Wärmeverluste, indem sie den Wärmeaustausch zwischen Kühlsystemen und der Umgebung reduziert. So wird Temperaturstabilität bei geringerem Energieeinsatz erreicht, mit messbaren Einsparungen im Betrieb. Konstante Temperaturen sind entscheidend für den stabilen Betrieb der Server, da Schwankungen die Hardwareleistung und Zuverlässigkeit beeinträchtigen können.
Tauwasser- und Korrosionsschutz
Da IT-Systeme äußerst empfindlich auf Feuchtigkeit reagieren und hohe Luftfeuchtigkeit die Lebensdauer der Geräte verkürzt, ist Tauwasserschutz entscheidend. Ein Feuchtigkeitseintritt hätte weitreichende Folgen: Korrosion auf den Leitungen, herabtropfendes Wasser und metallische Korrosion durch Schadstoffe im Wasser können zu Datenverlusten, teuren Reparaturen oder sogar zu Ausfallzeiten führen. Da Kühlsysteme unterhalb des Taupunkts betrieben werden, muss die Dämmung das Eindringen von Feuchtigkeit zuverlässig verhindern. Als geschlossenzelliger elastomerer Dämmstoff mit einem hohen Wasserdampfdiffusionswiderstand schützt Arma-Flex Ultima die Anlagen langfristig vor Tauwasser und trägt so zur Betriebssicherheit des Systems bei.
Kontamination vermeiden
Ein weiteres Sicherheitsrisiko in Rechenzentren ist die Verunreinigung der Raumluft. Der Kontakt mit Staub birgt die Gefahr von Schäden oder sogar Totalausfällen der Server. Staubpartikel in der Luft – wie Baustaub, Partikel und Fasern – stellen eine dauerhafte Bedrohung für die empfindlichen Systeme dar, können die Energieeffizienz beeinträchtigen und IT-Geräte im Laufe der Zeit schädigen. Solche in der Regel unsichtbaren Verunreinigungen durch Partikel, Gase oder Mikroben können sich über Klimakanäle im gesamten Gebäude verteilen und Server, Netzwerke sowie Datenspeicher gefährden. ArmaFlex Ultima setzt keine schädlichen Partikel frei, und seine glatte Oberfläche lässt sich sehr leicht reinigen.
Die Abwärme wird zudem zur Beheizung von Büroräumen genutzt und in ein Fernwärmenetz eingespeist.
Brandschutz hat höchste Priorität
Brände gehören zu den Hauptursachen für langandauernde Ausfälle in Rechenzentren. Die hohe Leistungsdichte elektrischer Anlagen erhöht das Brandrisiko erheblich. IT-Ausfälle und Betriebsunterbrechungen können in Unternehmen enorme Kosten verursachen. Im GDC ist daher jeder Serverraum mit einem eigenen Sauerstoffreduktionssystem ausgestattet, das zusammen mit einer hochsensiblen Rauchfrüherkennung jeden Brand sofort registriert. Darüber hinaus sind alle Technikräume als separate Brandabschnitte ausgeführt. Im Brandfall gefährden Rauchgase nicht nur Personen und erschweren die Evakuierung, sie verursachen häufig größere Schäden als das Feuer selbst – über 50 % der Gesamtschäden entstehen durch Ruß und korrosive Gase. Hinzu kommen die Folgekosten durch Betriebsunterbrechungen in den Unternehmen. ArmaFlex Ultima basiert auf der patentierten ArmaPrene-Technologie und hat als erster flexibler Dämmstoff eine BL-s1,d0-Klassifizierung erreicht. Das Material entwickelt zehnmal weniger Rauch als herkömmliche Produkte und hat damit einen Sicherheitsstandard in der technischen Isolierung gesetzt.
Einfache Installation
Das Isolierunternehmen TRV Kliima AS aus Tallinn dämmte Kälteleitungen mit Durchmessern von 22 bis 89 mm mit 13 bzw. 19 mm dicken ArmaFlex Ultima Schläuchen. Größere Rohrdurchmesser wurden mit sogenannten „offenen Schläuchen“ – unbeschichteten, geschlitzten Schläuchen – isoliert, die ebenfalls die Brandklasse BL-s1,d0 erreichen. Vor Beginn der Arbeiten wurden die Isolierer von TRV Kliima durch Armacell in der fachgerechten Verarbeitung geschult.
Herausragende Energieeffizienz
All diese Maßnahmen zur Optimierung der Energieperformance im Greenergy Data Center führten zu einer sehr niedrigen Power Usage Effectiveness (PUE), dem zentralen Kennwert für die Effizienz von Rechenzentren. Während herkömmliche Rechenzentren im Schnitt einen PUE von etwa 1,6 erreichen, liegt der Wert des GDC unter 1,2 – und macht es damit zum nachhaltigsten Rechenzentrum im Baltikum.
Foto: Tonu Tunnel/ Greenergy Data Centers
Im Inneren des Greenergy Data Center: hochdichte Serverracks in einer klimaoptimierten, KI-gesteuerten Umgebung.
Foto: Tonu Tunnel/ Greenergy Data Centers
ArmaFlex Ultima trägt zur Brandsicherheit bei, indem es die Rauchentwicklung minimiert und für stabile Temperaturen sorgt. So werden geschäftskritische Systeme zuverlässig geschützt.
Foto: Tonu Tunnel/ Greenergy Data Centers
Fortschrittliche Kühltechnik, mit ArmaFlex Ultima gedämmt, um Wärme- und Tauwasserschutz sicherzustellen.
Foto: Tonu Tunnel/ Greenergy Data Centers
Mit ArmaFlex Ultima gedämmte Lüftungsanlage.
ArmaPrene
Während Elastomerdämmstoffe mit bromierten Flammschutzmitteln im Brandfall zwar sehr wirksam die Entzündung hemmen, erzeugen sie meist eine hohe Rauchdichte. Die ArmaPrene-Technologie löst diesen Zielkonflikt: Durch die Entwicklung intrinsisch flammwidriger Polymere und den Einsatz ablativer Schutzadditive verzichtet die patentierte Technologie vollständig auf bromierte Flammschutzmittel, Antimon und PVC. Die geringe Rauchentwicklung erhöht im Brandfall die Sicherheit, da Sicht und Atmung verbessert werden und dadurch mehr Zeit für die Evakuierung eines Gebäudes bleibt.
ArmaFlex Ultima erfüllt zudem die strengsten Umwelt- und Gesundheitskriterien, die von Organisationen wie LEED, BREEAM, DGNB, WELL sowie nationalen Green-Building-Systemen definiert werden. Die ArmaPrene-Technologie ermöglicht es, den Energie- und Ressourcenverbrauch im Herstellungsprozess zu minimieren, Schlüsselmaterialien lokal zu beschaffen und so Emissionen zu senken und dem Klimawandel entgegenzuwirken, sowie End-of-Life-Szenarien zu optimieren – ganz ohne Antimon, Brom und PVC.
Kert Evert, CEO des Greenergy Data Center (Tallinn, Estland)
„Das Greenergy Data Center ist die Definition von zukunftssicher. Energieeffizienz steht bei uns im Mittelpunkt: Wir minimieren den Stromverbrauch, weil jedes gesparte Watt zählt. Unsere Anlagen laufen zu 100 Prozent mit grüner Energie und unterstützen damit den nachhaltigen Wandel der Branche. Als erstes großskaliertes, speziell errichtete Rechenzentrum des Landes kombinieren wir KI-gesteuerte Kühlung, fortschrittliche technische Dämmung, erstklassige Zertifizierungen und modernste Sicherheit, um neue Branchenstandards zu setzen. Im Mittelpunkt unserer Infrastruktur steht der Brandschutz, um den bestmöglichen Schutz kritischer Daten und Prozesse zu gewährleisten.“
Foto: Tonu Tunnel/ Greenergy Data Centers
Kert Evert, CEO des Greenergy Data Center.
Roger Nielsen, Technical Marketing Manager Nordic bei Armacell
„Mit der weltweit wachsenden Nachfrage an Rechenzentren wird die Energieeffizienz entscheidend sein, um die Umweltbelastung zu verringern und gleichzeitig die Betriebssicherheit, Resilienz und den Schutz zu gewährleisten, die von dieser kritischen Infrastruktur erwartet werden. Das Greenergy Data Center in Tallinn zeigt beispielhaft, wie digitale Gebäudetechnik und hochleistungsfähige Dämmstoffe zusammenwirken können, um neue Standards für smarte und energieeffiziente Rechenzentren zu setzen.“
Foto: Armacell
Roger Nielsen, Technical Marketing Manager Nordic bei Armacell.
Roland Jung, Geschäftsführer TRV Kliima AS (Tallinn, Estland)
„Wir arbeiten seit vielen Jahren mit ArmaFlex, und unsere Isolierer sind in der Verarbeitung elastomerer Dämmstoffe geschult. Da die Brandschutzanforderungen an Dämmstoffe in den letzten Jahren deutlich gestiegen sind, setzen wir heute häufig ArmaFlex Ultima ein. Die geringe Rauchdichte bietet ein zusätzliches Maß an Sicherheit in kritischer Infrastruktur wie Rechenzentren und trägt dazu bei, Brandrisiken zu minimieren und gleichzeitig eine hohe Energieeffizienz in Kühlsystemen sicherzustellen.“
Energieeffizienzgesetz (EnEfG) in Deutschland
Mit dem im November 2023 in Kraft getretenen Energieeffizienzgesetz (EnEfG) gelten in Deutschland erstmals verbindliche Standards für Planung, Bau und Betrieb von Rechenzentren. Ziel ist es, den Energieverbrauch deutlich zu senken, Abwärme nutzbar zu machen und den Anteil erneuerbarer Energien zu erhöhen.
Kernanforderungen betreffen die Energieeffizienz (PUE), die Abwärmenutzung sowie den Strombezug aus erneuerbaren Quellen. Seit 2024 müssen Rechenzentren ihren Strombedarf bilanziell zu mindestens 50 % aus erneuerbaren Energien decken, ab 2027 vollständig. Zudem sind neue Rechenzentren verpflichtet, einen gestaffelten Mindestanteil ihrer Abwärme zu verwerten, sofern dies technisch und wirtschaftlich möglich ist. Für Bestandsrechenzentren gilt ab Juli 2027 ein maximaler PUE von 1,5 und ab Juli 2030 von 1,3.
Eine Schlüsselrolle spielt die Kälteversorgung: Effiziente Kühlsysteme sollen Energie einsparen und zugleich die notwendige Betriebssicherheit gewährleisten. Das Gesetz enthält keine konkreten Vorgaben zur Dämmung. Hochwertige Dämmstoffe leisten jedoch einen wesentlichen Beitrag, um Energieverluste zu minimieren, Tauwasserschutz sicherzustellen und die Effizienzanforderungen des EnEfG in der Praxis zu erfüllen.