Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben im Verbundprojekt NaiS eine digitale Plattform entwickelt, die die energetische Sanierung von Gebäuden mithilfe Künstlicher Intelligenz planbar macht. Die Plattform bündelt digitale Services, die Daten aus Bildern, Grundrissen, Textdokumenten und statistischen Gebäudeinformationen selbstständig verknüpfen und auswerten. Besonders deutlich zeigt sich der Nutzen im Zeitvergleich: Aufgaben, die bislang rund 16 Arbeitsstunden erforderten, können mit NaiS innerhalb von 10 bis 20 Minuten bearbeitet werden.
Im Projekt testeten insgesamt 104 mögliche Nutzerinnen und Nutzer die Plattform in vier Testing Sessions. Die Rückmeldungen fielen überwiegend positiv aus: 93 % der Teilnehmenden bestätigten einen klaren Mehrwert der Plattform, 87 % sahen eine konkrete Unterstützung bei der Bewertung von Gebäuden und ebenso viele würden NaiS weiterempfehlen. Vor allem große institutionelle Bestandshalter und Kommunen können von der Beschleunigung der Entscheidungsprozesse sowie deutlich reduzierten Rechercheaufwänden profitieren.
Mithilfe Künstlicher Intelligenz ergänzt das System fehlende Informationen, bereitet Daten semantisch für digitale Gebäudemodelle auf und visualisiert Ergebnisse in 3D-Modellen. „Mit NaiS schaffen wir eine datenbasierte Grundlage, um Sanierungsentscheidungen deutlich schneller und transparenter treffen zu können. Gerade für große Gebäudebestände ist das ein entscheidender Schritt hin zu einer nachhaltigen Transformation", sagt Co-Projektleiter Philipp Zielke vom Institut für Technologie und Management im Baubetrieb (TMB) des KIT.
„Die nachhaltige Entwicklung unseres Gebäudebestands ist die Zukunftsherausforderung der Bau- und Immobilienbranche", so Dr. Karoline Fath, Bereichsleiterin Nachhaltiges Bauen bei der Ed. Züblin AG, Praxispartner im Projekt. „Wir sind davon überzeugt, dass KI-Technologien wie die in NaiS entwickelten Services zur Bestandserfassung einen wichtigen Beitrag dazu leisten können – zum Wohle unseres Planeten und unserer Gesellschaft."
Die Plattform ist ab sofort bei der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen verfügbar. Zugleich knüpfen Folgeprojekte an die Ergebnisse von NaiS an. Zu diesen zählt das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt mit 1,8 Millionen Euro geförderte Verbundprojekt ConCIRCLE, in dem das KIT ebenfalls die Konsortialführung übernimmt. Ziel ist ein digitales Bewertungssystem zur Analyse der Wiederverwendbarkeit von Bauteilen aus Stahlbeton. Hierzu erweitern die Forschenden die in NaiS entwickelten KI-Technologien und kombinieren sie mit ökologischen und ökonomischen Bewertungsverfahren.
Zum Abschluss des NaiS-Projekts findet am 11. Juni 2026 das „NaiS Summit" statt. Vertreterinnen und Vertreter aus Forschung, Bauwirtschaft, Politik und Verwaltung diskutieren dort Ansätze für die digitale und nachhaltige Transformation des Gebäudebestands sowie die Potenziale von KI-gestützter Sanierungsplanung.
Hintergrund: Rund 75 % der Gebäude in Deutschland wurden vor Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung errichtet. NaiS startete im Mai 2023 und wurde vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt mit 4,1 Millionen Euro gefördert. Zum Konsortium gehören die KIT-Einrichtungen TMB, Institut für angewandte Informatik und Automation sowie das Karlsruhe Service Research Institute. Zu den externen Partnern zählen Ed. Züblin AG, Concular GmbH, CAALA GmbH und Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen.